Dienstag, 22. Februar 2022

Mark Lanegan












SPIEGEL ONLINE Forum 


22.01.2009 

The end could be soon, we'd better rent a room. Mark Lanegan, zur Hölle. Diese Stimme läßt jeden Pfirsichsonnensatelliten fallen, diese Stimme, diese Stimme.








17.07.2009

The Gutter Twins - An Evening with Greg Dulli and Mark Lanegan, Stage Club Hamburg, 16.07.2009 

@ kuechenchef, kpone, Motorpsycho: preaching to the perverted also... was soll ich sagen. Morgen abend werden wir im Berliner Olympiastadion sein, und ich dachte, das wird die surreale Sache.





Aber nein. Es war surreal, plötzlich drei Meter entfernt von Greg Dulli und Mark Lanegan zu sein (der Stage Club HH ist für vielleicht 500 Leute). Bei "Saturnalia" mußte ich mich sozusagen erstmal durch Lanegan durchhören zu Dulli und die von ihm dominierten Songs, live erlebe ich das anders. Dulli ist leutseliger, quasi the life of the party. Lanegan ist komplett ainigmatikós. Schwer zu beschreiben, was für eine Faszination von dem ausgeht. Mit seinen entweder zugekniffenen oder seltsam unfokussierten Augen scheint er like a blind man, aber ihm entgeht nichts, nur ist nicht ganz klar, ob das, was ihm nicht entgeht, auch auf diesem Planeten stattfindet. Ein Techniker ist er auch nicht. Er schaffte es weder, das Lämpchen über seinem Textblattständer zu justieren, noch Dullis Mundharmonikahalter zurechtzuruckeln, der fiel nach Lanegans Versuch während des Songs dann Dulli völlig vom Hals. – Drei Stühle (ein zusätzlicher Gitarrist), Dulli wechselt bei einigen Songs von seiner Akustikgitarre ans Piano, Lanegan sitzt stoisch auf seinem Platz, wirkt keineswegs grimmig, beinahe aufgeräumt, aber unendlich verloren. Dulli bester Laune, ursympathisch, übernimmt die Interaktion mit dem Publikum, Lanegan lächelt zuweilen ein völlig seltsames Lächeln, man hat keine Ahnung, worüber, ansonsten ist er einfach konzentriert, nur seine tätowierten Hände ruhen nie, flirren die ganze Zeit den Takt aufs Bein. Also kurz, es war in etwa das intimste, aber zugleich eins der intensivsten Konzerte, das ich je sah. Setlist ging quer durch Afghan Whigs, Screaming Trees, Gutter Twins, muß aber sagen, daß die Songs von den Lanegan-Soloplatten mir am meisten Boden unter den Füßen wegzogen: "Creeping Coastline Of Lights", "Resurrection Song", "The River Rise" und vor allem "One Hundred Days".








09.05.2010

Wenn er sich zwischen den Songs bewegt: als ob er hinkt, einen Buckel hat und Zuckungen, blind ist und mindestens halbirr. Und dann ergreift er den Mikroständer, mit immer derselben Pose, er ergreift den Mikroständer und wird Gott. Die Stimme wird Gott, der zuviel gesehen und erlebt hat, und der doch, das ist die Ausgießung seiner Gnade, Bilder findet für die unzerstörbare Schönheit, an der er sich festhält, um nicht das ganze Universum mit sich zu reißen.








One Hundred Days

Jetzt, wo ich gerade beschlossen hatte, mich ultimativ in eines der verrufeneren Hotelzimmer von Buenos Aires einzumieten, um nächtelang alte Horrorfilme zu schauen und deren Poesie als Antidot gegen die beschränkten Wirklichkeitsmodelle zu schlürfen, während nebenan eine der luxuriösen Schildwachen vernehmbar ihr Geld verdient, die flirrende Hitze wird flirren, daß es nur so ein Jalousienrunterlassen ist, ich inkorporiere Tangotexte und entferne mich von systemstabilisierender Verblödungsarbeit, Dorothy Lamour singt "Sentimental Sandwich" und ich kriege langsam ein wenig Hunger. 100 Tage entfernt von hier kommt ein Schiff.



















(erstveröffentlicht / first published 03/2011)












Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen