Sonntag, 19. August 2018

Welt am Draht






Sagen Sie, planen Sie nicht vielleicht einen Spaziergang über den Münchener Ostfriedhof? Könnten Sie ein Blume auf das Grab von Barbara Valentin legen? Ich wäre Ihnen schrecklich verbunden, ganz schrecklich. Eine für den Löwitsch noch? Danke, ja, unbedingt. So machen Sie es.


































(erstveröffentlicht / first published 10.09.2013)

















4 Kommentare:

  1. Ich wohne ja leider nicht in München, habe ich nie. Aber wenn ich dort wohnen würde, dann wäre ich jetzt bestimmt schon unterwegs, eilenden Schrittes, zum Ostfriedhof, mit einer roten Rose natürlich für Frau Valentin, aber einer anderen Blume für Herrn Löwitsch, ich weiß nur nicht was für eine. Würde ich vermutlich aus dem Bauch heraus entscheiden, in dem Blumengeschäft. Oder ich würde die Blumenverkäuferin fragen, sofern es eine nette Blumenverkäuferin wäre.
    "Eine Blume bitte für Herrn Löwitsch. Ich bin mir aber nicht sicher, ob er Rosen mochte."
    "Rosen sind nie verkehrt", würde sie mir dann fröhlich verkünden und nach einem gelben Exemplar langen. Spätestens jetzt würde ich überlegen, ob vielleicht Frau Valentin auch lieber eine gelbe Rose auf ihrem Grab liegen hätte, und vermutlich würde ich das Blumengeschäft dann mit zwei gelben Rosen wieder verlassen und meinen Weg zum Ostfriedhof fortsetzen.
    Aber was ich eigentlich sagen wollte: bei 1:40 steht ein Mann im Anzug mit Hut und Vollbart versonnen vor einem gelben Vorhang und ich dachte sofort: das ist doch der Ali aus "Angst essen Seele auf", nun auch schon seit 37 Jahren tot, meint die deutsche Wikipedia. Die englische Ausgabe gibt ihm sechs Jahre mehr, aber beide sind sich einig, dass er in Nimes gestorben ist. El Hedi ben Salem, nicht sehr alt geworden, 40 Jahre nur, sein Grab ist bestimmt sehr schwer zu finden. Und wo liegt eigentlich Brigitte Mira? Ich empfand sie immer als eine arge Heimsuchung und ertrug sie nur unter Qualen, doch warum genau ist mir inzwischen entfallen. Ein Röschen jedenfalls hätte ich auch für sie noch übrig.

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    1. So offenbart sich der wahre Menschenfreund: eilenden Schrittes, wenn auch konjunktivisch. Vielleicht weiße Lilien? Immerhin gibt es einen Song von Laurie Anderson mit diesem Text: "What Fassbinder film is it? The one-armed man comes into the flower shop and says: What flower expresses days go by, and they just keep going by, endlessly pulling you into the future. Days go by, endlessly, endlessly pulling you into the future. And the florist says: white lily." - Ich, I confess, weiß nicht einmal, ob es diese Szene tatsächlich gibt. Auch zu dem Komplex "Brigitte Mira / Heimsuchung" kann ich wenig bis nichts beitragen. Ich kannte das Spätwerk, Maria Braun, Lili Marleen, Lola, Veronika Voss, Querelle. Aber es gab es drei Werke von Fassbinder, die ich irgendwann in meinem Leben einmal gesehen hatte, und von denen ich immer wußte: Reconquista, one day. "Effi Briest", "Despair" und "Welt am Draht".
      Die Wiedereroberung von "Despair", nun, hinter jeder großen Tat eines Mannes steht eine Frau, isn't it so. Aber, ja, es ist El Hedi ben Salem. An der Besetzungsliste von "Welt am Draht" beeindruckt ein furchtloser Eklektizismus. Was ich jetzt wieder weiß: daß Mascha Rabben (als Eva) mir irgendein Felsentor der Schatzkammer öffnete, back then.
      Ach, nein, doch, Rosen sind nie verkehrt. Die nette Blumenverkäuferin hat recht.

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  2. Antworten
    1. Oh boy. Tränchenverdrücker sagt Dankeschön. Ganz groß. Falls hier demnächst eine "Mascha Rabben in Welt am Draht"-Bilderserie erscheint, betrachte sie als Dir gewidmet. :) So wonderful of you, wonderful to see you doing this, thank you so much…

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