Sonntag, 17. Juni 2018

Interview Literatur-Feder Magazin (2007)







Interview mit Christian Erdmann

Literatur-Feder Magazin

Ausgabe 5, Juni 2007

 






Der Autor Christian Erdmann und sein Werk "Aljoscha der Idiot"


"Aljoscha der Idiot" erschien bereits 2005, bevor es nun neu, in der besonderen Buchreihe Edition BoD, aufgelegt wurde.

"Ich schwöre: Wer dies liest, der bekommt einen glücklichen Ausdruck im Gesicht...", so der Gründer des Eichborn-Verlags, nun Herausgeber der BoD Edition und einer der renommiertesten Branchenkenner in der Literaturszene, Vito von Eichborn.

Erdmann gilt als außergewöhnlicher Autor, der das Talent besitzt, den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann zu ziehen.

Daher war es uns eine ganz besondere Ehre, dass wir ihn in dieser Ausgabe für ein exklusives Interview gewinnen konnten.













 

Literatur-Feder: Herr Erdmann, auf Ihrer Homepage stellen Sie beinahe ausschließlich Ihr Buch in den Vordergrund. Über Ihre Person als Autor erfährt man so gut wie nichts. Möchten Sie unseren Lesern etwas von sich preisgeben? 





Christian Erdmann: Oh, gut. Ich lebe in Hamburg und versuche wie jeder andere, das tägliche Chaos irgendwie zu ordnen. Ich habe Philosophie studiert, aber keine Karriere daraus gemacht. Unter meinem Bett liegen Schiffsladungen von Papier, Entwürfe für das, was einmal meine Dissertation werden sollte, eine "Philosophie des Horrors". Aber das hat den Rahmen gesprengt, und ich bräuchte einen Deutschen, der mir das systematisiert. Ich habe einen ziemlich bizarren Job, um mich über Wasser zu halten. Und wenn ich meine Feder in mein Herzblut hätte tauchen können, um den Roman zu schreiben, hätte ich es getan. 





Literatur-Feder: Ihr Roman "Aljoscha der Idiot" ist Ihre erste Roman-Veröffentlichung. Wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen und gab es dafür einen bestimmten Auslöser? 





Christian Erdmann: Wann ich mit dem Schreiben begonnen habe? Als Kind! Ich konnte schreiben, bevor ich in die Schule ging, und ich habe Lexika vollgekritzelt mit... notwendigen Ergänzungen. Ich hatte bloß die Angewohnheit, zwischen den einzelnen Worten Striche zu setzen... Gedankenstriche. Wie Kupplungen zwischen den Waggons eines Zuges. Vielleicht hatte ich irgendwie schon immer das Gefühl, die einzelnen Worte sind nicht verbunden genug.

Die ersten ernsthaften Schreibversuche waren Gedichte. Es gab auch mal einen Gedichtband, den ich zusammen mit einer Freundin gemacht habe. Wir haben beim Drucker die Seiten selbst geschnitten und geleimt. Das Bändchen hieß "Vorwitz und Verstrickung". Ein paar Hundert Exemplare im Eigenverlag, das war gnadenloser, furchtloser, furchtbarer Idealismus.

Der Anlaß für diesen Roman war, etwas Wunderbares festzuhalten. Ich sage nicht, daß es eine wahre Geschichte ist, aber der Anlaß war, etwas Wunderbares festzuhalten. 





Literatur-Feder: Sie haben sich bei Ihrem Erstlingswerk für eine Veröffentlichung bei BoD entschieden. Was waren die Gründe? 





Christian Erdmann: Nun, ich habe das Manuskript in unregelmäßigen Abständen an einige der großen Verlage geschickt. Nicht viele, nur eine Handvoll: Berlin-Verlag, Matthes & Seitz, Suhrkamp, Reclam Leipzig, Hanser, zuletzt Rogner & Bernhard, wo mir eine Praktikantin den Papierstapel zurückgab. Vermutlich hat's da keiner gelesen, aber es sah trotzdem so aus, als hätten sie den Fußboden damit gewischt. Man hat als Autor nicht viel Geld, aber eine Menge Schmierpapier. 

Die Absagen, die man auf meiner Homepage lesen kann, sind authentisch. Der Roman wurde abgelehnt als zu anspruchsvoll und "auf dem Markt nicht durchsetzbar". Also, wenn man das Manuskript nicht in einem heiligen Ritual verbrennen will, was kann man tun? BoD war einfach der Weg, den Roman so herauszubringen, wie ich ihn wollte. Es hat mich natürlich auch gereizt, daß man die Covergestaltung selbst übernehmen und so eine Art Gesamtkunstwerk schaffen kann. Ich wollte unbedingt diesen Masereel-Holzschnitt! Und ich verstand BoD dann als eine Art Independent-Bewegung, die es erlaubt, gewisse Mechanismen des Betriebs zu unterlaufen. In der Musik geschieht ja derzeit Ähnliches, es gibt aufregende Bewegungen außerhalb der herkömmlichen Strukturen der Industrie. Im Internet hat ja gerade die kreative Schnitzeljagd für Furore gesorgt, die Trent Reznor für die letzte Nine Inch Nails-Platte veranstaltet hat. Ganze Alben werden nur noch im Internet zugänglich gemacht, die Einstürzenden Neubauten haben dieses System etabliert, Musik mit direktem Support durch Fans zu produzieren, jede Myspace-Seite bietet Hörproben, Musiker-Blogs geben bislang ungekannte Einblicke in das künstlerische Schaffen, kurz, die graben den Schacht von Babel da. 





Literatur-Feder: Vito von Eichborn ist seit März 2006 neuer Herausgeber der Edition BoD, einer Buchreihe, in der außergewöhnliche BoD-Titel präsentiert werden. Ihr Buch wurde in diese besondere Buchreihe aufgenommen. Nun gilt Herr Eichborn als einer der innovativsten Buchmacher in der deutschsprachigen Literaturlandschaft mit einem feinen Gespür für hoffnungsvolle Autoren. Was bedeutet diese Aufnahme für Sie? 





Christian Erdmann: Das war ein echter Schock. Und natürlich eine große Ehre. 





Literatur-Feder: Konnten Sie bereits im Vorfeld damit rechnen, in diese Buchreihe aufgenommen zu werden? 





Christian Erdmann: Nein, das kam aus heiterem Himmel. Ich hatte nur die Vorstellung, daß das Buch schon seinen Leser finden wird, aber abgesehen von der Website bestand meine Promotion darin, im Forum eines Nachrichtenmagazins zu schreiben, wobei ich das Buch aber nie offensiv bewarb. Man streitet da über Politik oder diskutiert Filme. Nach einer Weile kamen die ersten Emails von anderen Teilnehmern dort, die sich fragten, was ist das denn für einer, und über mein Userprofil die Website gefunden hatten. Die fragten dann nach dem Roman und wie man ihn bekommen kann. Die ersten Reaktionen auf das Buch waren sehr bewegend. Wenn dir ein Leser sagt, der Roman hätte sein Leben verändert - das geht schon unter die Haut. Daß mir dann plötzlich Vito von Eichborn ein Vorwort schreiben würde, in dem er erklärt, das sei literarisch das Beste, was er seit langem gelesen habe - nein, hätte ich nicht gedacht. Wenn das Buch sich durch Kanäle bewegt, die du nicht mehr kennst, wenn du nicht mehr weißt, wo die Flüsterpropaganda flüstert, dann merkst du, es ist auf dem Weg. Aber dem, der da nächtelang vor sich hin schrieb ohne Vorstellung davon, wo das hinführen soll, verschlägt das erstmal den Atem.





Literatur-Feder: Erscheint Ihr nächstes Buch ebenfalls als BoD?





Christian Erdmann: Erst einmal will es geschrieben sein. Dann sehen wir weiter. 





Literatur-Feder: Wie viele Jahre Vorarbeit haben Sie für Ihren Roman investiert? 





Christian Erdmann: Vorarbeit im eigentlichen Sinne gab es nicht. Es gab nur Arbeit. Ich habe an dem Roman geschrieben, bis er fertig war, und dann habe ich an einer neuen Fassung geschrieben - vielleicht drei- oder viermal. Allerdings habe ich nicht kontinuierlich daran gearbeitet. Eine erste Fassung war Ende der 90er fertig, aber sie ist nicht mehr zu vergleichen mit dem jetzigen Roman. Das, was jetzt "Aljoscha der Idiot" ist, entstand zwischen 2002 und 2004. Das stand dann für mich schon unter dem Vorzeichen BoD. Und das hieß: keine Beschränkungen im Hinblick auf das, was "auf dem Markt durchsetzbar" ist. Die Überarbeitung der Erstfassung bestand darin, alles viel kompatibler zu machen. Und dann habe ich den ganzen Prozeß langsam wieder umgedreht. Entweder sagt man die Dinge so, wie man sie sagen will, oder man läßt es.
 

Ich glaube ja an die ganz alten Geschichten. Wie Rimbaud mit "Eine Zeit in der Hölle" zum Drucker gegangen ist, den bezahlt hat, und dann ist die Auflage in Brüssel verrottet. Das ist groß! Irgendwann stand ich dann in Paris vor dem Haus, in dem Lautréamont verhungert ist. Ich sagte mir, was der kann, kann ich auch. Und gab mein letztes Hemd für BoD. 





Literatur-Feder: Vor nicht allzu langer Zeit galt der Aufenthalt des Dichters im sogenannten Elfenbeinturm als Symbol für eine verfehlte Einstellung, die lediglich als "Flucht aus der Wirklichkeit" angesehen wurde. Im letzten Jahrzehnt hat sich an der Einstellung offensichtlich etwas geändert. Man bedenke das Anwachsen der phantastischen Literatur auf dem Markt.
Welche Aufgabe hat ein Autor heute Ihrer Meinung nach?





Christian Erdmann: Jeder Autor muß selbst entscheiden, wo sein Weg ist. Ich kann nur für mich selbst sprechen. Und nur für dieses Buch. Und dann ging es vielleicht darum: sagen, was bisher noch nicht gesagt wurde. Oder etwas so sagen, wie es bisher noch nicht gesagt wurde. Sich dem Unsagbaren annähern. Sie kennen sicher den Zustand, wenn zwischen Traum und Wachen das Gehirn auf Hochtouren läuft. Vielleicht sind wir dann die besten Literaten.

Die Flucht aus der Wirklichkeit gibt es ja eigentlich gar nicht. Jeder angeblich Flüchtende entdeckt da, wo er ist, eine andere Facette der Wirklichkeit. Wenn wir alle mit den alltäglichen Einschätzungen zufrieden wären, bräuchte es keine Literatur. Insofern bedeutet Literatur immer, neben der Realität zu liegen. Auch "Realismus" ist nur ein Stil, nur vielleicht die schwächste Form des Danebenliegens. Zu dem, was uns als Antwort vorgelegt wird, keine neue Fragen finden, das ist der eigentliche Elfenbeinturm. Und die subversive Kraft des Danebenliegens ist es, neue Wirklichkeiten zu erschließen.

Für mich selbst funktioniert Schreiben wie eine Fahrt in der Geisterbahn. Ich möchte nicht schon vorher genau wissen, was am Ende herauskommt. Man fährt zwar auf einer Schiene, aber man weiß nicht, was man unterwegs trifft. Andere nicht langweilen, aber auch sich selbst nicht langweilen, wie Billy Wilder sagte.





Zum Roman





Literatur-Feder: Der Roman findet in der Gegenwart statt, in einer Gegenwart, würde man besser sagen. Aber Errungenschaften der Gegenwart spielen, wenn man vom Walkman einmal absieht, im Roman so gut wie keine Rolle. Gibt es Gründe? 





Christian Erdmann: Oh, Aljoscha benutzt auch ein Telefon! Und der ganze Ablauf beginnt ja damit, daß Aljoscha einen Horrorfilm von 1942 sieht. Also gibt es auch Fernsehen... es gibt schon Errungenschaften der Moderne, aber es ist mehr wie bei Cocteau, wenn der Tod durchs Autoradio spricht. Die eine Gegenwart, in der das alles spielt, ist unbegrenzt und sozusagen panoramisch geöffnet, für Botschaften, die aus anderen Zeitebenen zu kommen scheinen, für Mythologie. Mir ging es auch darum, wenigstens anzudeuten, daß jede Situation ein unendlich komplexes Geflecht von Bezügen ist, praktisch unauslotbar. Um die Situation in 80 Perspektiven, gewissermaßen. Es spielt sich etwas ab, für das die Moderne eigentlich keinen Platz hat - ein magisches Ritual. Und alles, was Aljoscha begegnet, scheint einen Bezug zu diesem Ritual zu haben, es gibt überall Verbindungen und den totalen Zusammenhang der Ereignisse in einer scheinbar magischen Ordnung. Das, was Breton mal "die unwahrscheinliche Mitwirkung" nannte. Aljoscha merkt, daß er aus der normalen Welt herausfällt, und die Dinge der normalen Welt haben keine Bedeutung mehr... sofern sie keine Bedeutung in Bezug auf das haben, was ihn mit dieser rätselhaften Frau verbindet, seiner Obsession. Aber gut, ein Rezensent schrieb, Aljoscha wirke, als hätte ihn ein böser Geist aus der Pariser Belle Epoque herausgerissen. Er hat wahrscheinlich ein paar Anlagen, die ihn in der Gegenwart ein bißchen deplazieren. Aber vielleicht prädestiniert ihn das auch für die Erfahrung, die er macht. 





Literatur-Feder: Im Zusammenhang mit der Bibliotheca Medicea Laurenziana in Florenz, die von den Protagonisten aufgesucht wird, sprechen Sie von "Schöner Wohnen für den Weltgeist".
 

Hat der Weltgeist Ihrer Meinung nach in den modernen Lesesälen mit Buchbestellterminal etc. nichts zu suchen, bzw. findet er dort keine angemessene Behausung?





Christian Erdmann: Doch, nur hat man manchmal den Eindruck, er schwirrt da etwas aufgescheucht herum. Das Ganze ist ein bißchen ironisch gemeint. Das ist vielleicht eine der Passagen, wo der Leser sich zu fragen beginnt: meint der das alles ernst? Dann kommt er wahrscheinlich darauf, daß manches ironisch gemeint ist. Das stimmt, aber auf einer dritten Ebene ist hinter der Ironie alles wieder todernst gemeint.

Diese Reihen von Büchern, die man über Jahre hinweg zusammengetragen hat, und jedes einzelne präsentiert seine Aura, das ist doch einfach ein wunderbarer Anblick. Vor einer Weile las ich ein schönes Plädoyer für die Macht der Bücher, "Der Club Dumas" von Arturo Pérez-Reverte, die Vorlage für diesen Polanski-Film mit Johnny Depp, "Die neun Pforten". Diese leidenschaftlichen Bücherjäger, diese einzigartigen alten Ausgaben mit einzigartigen Geheimnissen, hinter denen alle her sind, mittendrin die aufregendsten Frauen, nicht minder geheimnisvoll, ich meine, da möchte man doch eine der Romanfiguren sein.

Bob Dylan hat mal gesagt, das Internet sei ihm unheimlich, und er fürchte immer, daß da irgendwann eine Hand durch den Monitor kommt und nach ihm schnappt. Gut, der Mann denkt in Metaphern. Der schnelle Zugriff auf Informationen im web, der Austausch, die Vernetzung, all das ist ein unbezahlbarer Vorteil. Aber es fehlt die Tiefendimension, die ein Buch hat. Wenn du ein Buch von Baudelaire in der Hand hast, ist Baudelaire dein Zeitgenosse. Dinge wie wikipedia machen zwar klar, daß wir alle der Weltgeist sind, aber andererseits glaube ich an den genius loci. Die Atmosphäre eines Ortes und die eigene Stimmung, da gibt es eine Wechselwirkung. Sakralbauten haben die Funktion, dich einzustimmen, dir irgendeine Art von Empfänglichkeit zu schenken. Ich mag es, wenn man eine Bibliothek betreten kann wie einen Sakralbau.





Literatur-Feder: An welche Zielgruppe richten Sie sich? Lässt sie sich benennen?





Christian Erdmann: Naja, an jeden, der das Gefühl hat, hinter dem perfekt aufgeführten Theaterstück der Normalität toben noch ganz andere Mächte. Alle, die an irgendeine Art von Bestimmung und an Liebe als höchste Form der Magie glauben, sollten diesen Roman lesen. Jeder, der mal gedacht hat: Liebe ist anders, unvorstellbar anders. Alle, die daran glauben, daß die Reise in die Mitte der Wirklichkeit einen Auslöser auf zwei langen Beinen hat. Und jeder, der sich über das freut, was man mit Sprache anstellen kann. Es gibt doch diesen Song, "Man Out Of Time". Dies hier ist ein "Book Out Of Time". Es kennt den Zeitgeist nur vom Hörensagen. Manche empfinden den Sprachduktus als altmodisch, benutzen dann aber im nächsten Satz das Wort "postmodern". Was kann ich sagen?





Literatur-Feder: Im Zusammenhang mit Äußerungen zu Wittgenstein fällt der Satz: "Positivismus ist das, was man seiner Oma erzählen kann". Wie sehen Sie den heutigen oder kommenden Weg des Denkens? 





Christian Erdmann: Als ich Arbeiten für mein Philosophiestudium schrieb, haben die Professoren mir immer gesagt: sehr schön, aber passen Sie auf, daß Sie nicht zu poetisch werden. Und dann habe ich einen Roman geschrieben, der einem Lektor "zu philosophisch" war. Meine Idee ist, Poesie war immer schon eine Art Philosophie, aber Philosophie muß noch mehr als eine Art von Poesie verstanden werden. Denn alles wir tun, in welcher Disziplin auch immer, das ist, daß wir uns Geschichten erzählen. Es gibt keine Wahrheit, die man verabsolutieren könnte. Perspektivismus ist heilsamer als Dogmatismus. Ich behaupte in meinem Roman ein paar Wahrheiten über diese Welt, aber letztlich ist es nur meine Sicht, meine Erfahrung. Wenn das neue Räume öffnet für jemanden, wunderbar. Wir können uns nur annähern, aber das Streben an sich ist erotisch.





Literatur-Feder: Wie gehen Sie mit dem Vorwurf um, dass die Fülle der zur Sprache gebrachten Kenntnisse gelegentlich die Handlung zu überwuchern scheint?





Christian Erdmann: Das wird ja oft ironisch gebrochen, beispielsweise in den ganzen bizarren Majakowski-Zitaten, die ja völlig unsinnig wirken. Auch wenn sie im Aljoscha-Zusammenhang dann wieder Sinn ergeben, werfen sie auf Aljoscha sicher nicht das Licht eines von seiner eigenen Bildung Ergriffenen. Es gibt auch Passagen, in denen zwei Leute in einem Raum sitzen und ziemlich behämmert versuchen, den ganzen Lauf der Dinge zu verstehen. Andererseits ist die Fülle dessen, was da auf Aljoscha einströmt, aktiver Teil der Handlung selbst. Wenn da die Professoren in ihren Vorlesungen Botschaften mitteilen, die Aljoscha in seinen eigenen persönlichen Bedeutungszusammenhang fügt, dann ist das so, als hätten die Dinge hinter den Dingen eine eigene Stimme. Man kann sie halt nur nicht in den Credits aufführen, sozusagen.





Literatur-Feder: Eigentlich erübrigt sich die Frage nach Vorbildern, Einflüssen. Sie werden im Roman in der Regel genannt. Gibt es trotzdem Schwerpunkte? Welche Rolle spielt Kierkegaards "Tagebuch des Verführers" für einen gewissen Handlungsteil? 





Christian Erdmann: Kierkegaard war kein direkter Einfluß. Ich sehe, was Sie meinen, es gibt vielleicht gewisse Parallelen, aber Aljoscha ist kein distanzierter Ästhetiker. Natürlich ist die schöne Unbekannte Projektionsfläche seiner Phantasien. Aber es ist ja nicht so, daß Aljoscha dabei zugleich systematisch auf der Flucht vor der Liebe wäre, daß er bei alldem nur einen letztlich hedonistischen Reiz auskostet.

Die Parallele liegt sicher darin: Aljoscha erlebt, wie ihm ein Ideal erscheint, und er spürt ihm nach, er wird zum akribischen Beobachter, jedes Detail aus dem Leben dieser Frau wird sein Fetisch, jeder ihrer Bewegungen folgt ein Sturzbach von Bedeutungen. Der Unterschied: Beobachtung ja, aber Kontrolle, Machtausübung? Nein. Planmäßiges Verführen? Nein. Die Frau wird nicht zum Opfer seiner diabolischen Inszenierung. Im Gegenteil lernt Aljoscha die ganze Zeit, daß es immer etwas gibt, das ihm voraus ist. Er läuft ständig hinterher, das ist sein Grundgefühl. Da ist etwas, das mit äußerster Raffinesse vorgeht, aber dieses Etwas ist nicht er selbst. Es ist etwas anderes, das da steuert, nicht er selbst.

Beim Verführer Kierkegaards gibt es diese latent sadistische Komponente, die Machtausübung über ein Objekt. Für Aljoscha ist es eher masochistischer Suspense, in einer Verführung, die, wenn schon, wechselseitig ist.

Auch verläßt Aljoscha eigentlich nie die moralische Ebene. Für den Verführer ist Zweisamkeit ja keine Perspektive. Für Aljoscha beginnt aber genau da das Dilemma. Er ist voller Skrupel, eigentlich ein durch und durch ethischer Charakter. Er fühlt sich schon schuldig, bevor er sich schuldig gemacht hat. Erst als er wirklich begreift, daß die Realität tatsächlich mit seinem Phantasma identisch ist, stellt sich ihm auch die Frage, ob Schuld überhaupt ein sinnvolles Wort ist.

Es gab eigentlich keine direkten literarischen Vorbilder, obwohl es Passagen gibt, die ich meine Thomas-Mann-Passage nenne oder meine Francois-Villon-Passage. Einflüsse dagegen gibt es unendlich viele, natürlich. Man kann aus allem etwas Brauchbares ziehen. Aus einem alten Chemiebuch habe ich einiges über Metamorphose gelernt. Musik war natürlich auch ein Einfluß. Ich habe mal gelesen, Musik kann das Gehirn in einen Zustand versetzen, in dem es neue "patterns of speech" entwickelt. Das habe ich zuweilen ganz banal instrumentalisiert. Die Suche nach Flauberts "mot juste"... statt wie Flaubert in den Teppich zu beißen, habe ich mir Kopfhörer aufgesetzt. Und manchmal hat mich die Atmosphäre eines Stücks wie "Boy Child" von Scott Walker oder "Frozen Warnings" von Nico genau dahin geführt, wo das Wort oder das Bild war. 





Literatur-Feder: Könnten Sie uns etwas über die Gründe zur Wahl des Titels sagen?





Christian Erdmann: Zuerst hieß der Roman "Die Katzenmenschenfürstin". Freunde, die das Manuskript gelesen hatten, sagten mir aber, das klinge zu sehr nach Fantasy und zu historisierend. Daß es dann "Aljoscha der Idiot" wurde... Aljoscha hat das Gefühl, das Leben hat eine innere Struktur, die aufregend und bedeutsam ist, ein geheimes Muster der Existenz. Nur, er kapiert es lange nicht. Er weiß nicht, ob er zu äußerster Klarsicht oder zu äußerster Unzurechnungsfähigkeit vordringt. Und das, was er versteht, versteht er eben etwas anders. Das ist, wovon im Buch gesagt wird, es ist das Russischste am Russen - alles etwas anders verstehen. Alles etwas anders tun. Er geht eben nicht auf diese Frau zu und fragt sie: "Wollen wir nicht mal einen Kaffee zusammen trinken?" Das hätte alles zerstört.
 

"Idiot" ist auch kein klassisches Schimpfwort für mich. Nicht seit Dostojewski. Es ist nicht negativ gemeint, es bezeichnet nur einen, der eben ein bißchen ein komischer Heiliger ist. 





Literatur-Feder: Die Handlung erstreckt sich über neun Monate. Warum haben Sie sich für die Romanform entschieden, wenn sich die relative Kürze der Handlung auch in einer Erzählung hätte wiedergeben lassen? 





Christian Erdmann: Es geht um die Vorstellung von Mustern, die vielleicht einerseits Produkt unserer unbewußten Sehnsüchte sind, die uns dorthin bringen, wo etwas in uns schon immer hin wollte, und die uns andererseits irgendwie von außerhalb unserer selbst am Wegesrand Zeichen geben. Wir verändern die Muster, die Muster verändern unsere Realität. Um all das darzustellen, hätte die komprimierte Form der Erzählung nicht ausgereicht. Die Situationen, die dem Protagonisten mit Bedeutung aufgeladen scheinen - sie werden beschrieben, aber es war auch der Versuch, das in die Sprache selbst eindringen zu lassen. Auch die Worte und Sätze, die Aljoschas Realität beschreiben, sind mit Bedeutung aufgeladen. Die Geschichte, die Handlung selbst, ist nicht übermäßig ausgefallen. Wie sie beschrieben wird, das ist ungewöhnlich. Die Ebenen in Aljoschas Wahrnehmung haben eine Entsprechung in der Sprache. Bis zu dem Punkt, an dem die Vermischung von Realität und Phantasie, von Traumzeit und Echtzeit, von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, auch den vermeintlich auktorialen Erzähler völlig sabotiert. Aljoscha hat keinen Zweifel am kausalen Geordnetsein der Welt... aber er spürt einer genuin anderen Kausalität nach als der bekannten. All das, all diese Sequenzen und Koinzidenzen, ist in die Sprache eingewoben, diese ganze Textur. Manche Worte am Ende erklären manche Worte am Anfang. Das entspricht Aljoschas Gefühl, die Gründe für seine Gegenwart kommen aus der Zukunft. Eine Erzählung hätte all das nicht erlaubt. Konventionelle Erzählweisen werden immer wieder aufgebrochen, um darzustellen, wie Aljoschas Realität aufgebrochen wird, und wie sein Blick darauf sozusagen explodiert. Als würde eine Polaroidkamera in einen Haufen Polaroids explodieren, die sich gegenseitig anstarren.





Literatur-Feder: Den Protagonisten fehlt die Dimension der biografischen Vergangenheit nahezu völlig. Welches Konzept verfolgen Sie damit?





Christian Erdmann: Naja, es gibt schon Rückblenden, die helfen, den Punkt zu erklären, an dem Aljoscha und Leda jetzt stehen. Aber es stimmt, auch diese Rückblenden können von dem Punkt aus gesehen werden, an dem die Gegenwart für Aljoscha sich wie ein Universum ausdehnt. Die biografische Vergangenheit der Katzenmenschenfrau kennt Aljoscha ja lange nicht. Darum ist sie ja die Katzenmenschenfrau. 





Literatur-Feder: "Wer auch immer dieses (das wiederholte Lesen) auf sich nimmt, der bekommt einen glücklichen Ausdruck im Gesicht". Dies die Ankündigung des Herausgebers Vito von Eichborn. Hätten Sie eine Vorstellung davon, wie es zu diesem glücklichen Ausdruck kommen könnte?





Christian Erdmann: Ein ratloser, befremdeter Ausdruck ist sicher auch denkbar... ein "Hä?" aus tiefstem Herzen. Ein Leser schrieb mir, bei vielen Büchern suche man die Nadel im Heuhaufen, während mein Buch ein Nadelhaufen sei. Manche sagen, der Einstieg in den Roman fällt schwer, und ich sage dann, wenn Sie die ersten 50 Seiten schaffen, kann Sie danach nichts mehr schrecken. Manche sagten mir: und dann kam diese Sogwirkung. Für mich ist das schwer zu beurteilen. Es scheint, entweder legt man das Buch schnell wieder weg, oder man läßt sich auf eine vielleicht schwierige, aber tiefgehende Erfahrung ein. Der glückliche Ausdruck, der kommt, wenn man Lust hat, sich von einem Buch ständig überraschen zu lassen. Wenn man sich zunächst fragt, wie kommt denn das jetzt da hin, dann aber alles plötzlich Sinn ergibt. Auch, daß Tarotkarten eine Konferenz abhalten, die aus dem Ruder läuft. Ein Theaterstück, mittendrin. Es ist überhaupt viel drin. Ich möchte an dieser Stelle Lotte Lenya zitieren: "Da wird was geboten für sein Geld!" 





Literatur-Feder: Wir wünschen dem "komplexen Gespinst aus Gedanken und Gefühlen" (Zitat: Vito von Eichborn) und seinem Autor weiterhin viel Erfolg!





Christian Erdmann: Ich bedanke mich ganz herzlich und wünsche Ihrem Magazin dasselbe! 






 


Das Interview führte Marlies Eifert zusammen mit Markus Fifka.


















Donnerstag, 14. Juni 2018

Dienstag, 29. Mai 2018

The Damned, Hamburg 25.05.2018












"I'd heard the last Bowie album, Blackstar, and I really liked the sound of things on that and thought 'I wonder if he would produce us?' I found out when I talked to him, he said 'Why didn't you ask me years ago?'"

Die Nachricht, daß der legendäre Tony Visconti ein neues Album von The Damned produzieren würde, war ein Stück Poesie im Schlamassel called 2017. Viscontis Antwort an Dave Vanian sagt ja: wißt ihr denn nicht, o Verdammte, welch besonderen Platz in unseren Herzen ihr einnehmt? In den Herzen der Allerbesten: auf "Blues Funeral" von Mark Lanegan gibt es den Song "Phantasmagoria Blues", und Lanegan erzählt im Februar 2012:

"I called it that because around that time I started listening again to Phantasmagoria by The Damned. That's a favourite record of mine."








"Phantasmagoria" sollte a favourite record von jedem sein, aber, ach, Herr Graf. Auch impliziert Viscontis Antwort, daß der Griff nach den Sternen für The Damned eigentlich eine ganz selbstverständliche Sache gewesen wäre - was vielleicht nicht ganz so leicht zu glauben ist, wenn eine Band über einen so langen Zeitraum hinweg erlebt hat, wie die Presse eine Art Vendetta gegen sie aufrechterhielt: The Damned wurden angefeindet oder offensiv totgeschwiegen, im Grunde nur, weil sie nirgends hineinpaßten. Sie verkörperten die furiose Dringlichkeit des Punk, nahmen diese jedoch nur als Ausgangspunkt. Sie waren noch unter den Außenseitern immer Außenseiter, folgten immer nur dem eigenen Stern, verschreckten mit ihrem künstlerischen Expansionsdrang immer wieder eine gerade gewonnene Gefolgschaft. Damit einher gingen Phasen, in denen man ohne Plattenvertrag dastand oder Plattenfirmen schlicht keine Promotion für ein Album machten (wie bei "Grave Disorder"). Dave Vanian:

"We had this thing in our minds where you put everything into making a record then through no fault of your own it just slips away through your fingers. After a while that's quite hard to get used to."

Und nun, nach vier Dekaden Bandgeschichte, schießt "Evil Spirits" im April 2018 von Null auf Platz 7 der englischen Album-Charts: es ist tatsächlich das erste Top Ten-Album der Band ("Phantasmagoria" schaffte es 1985 auf Platz 11), das ist nicht einfach wohlverdient, das ist die platonische Idee von Wohlverdientheit.

Nachdem Stabilität im Bandgefüge lange Anathema war und es bei allen von außen kommenden Widrigkeiten immer auch die Neigung gab, sich selbst ins Knie zu schießen, sind Dave Vanian und Captain Sensible seit 1996 wiedervereinte Komplizen: zwei der liebenswertesten Charaktere überhaupt, dabei grundverschieden, als partners in crime sich jedoch auf das Schönste ergänzend. Dave Vanian, der sich stets so bewegt, als würde er im Vampir-Umhang leben, verantwortlich für das sinistre, theatralische Gothic-Element, das dunkelerotische Drama, Horrorfilm-Ästhetik zwischen Dracula, Vampira und Dr. Phibes seine natürliche Sphäre, mit Passion für alte Motorräder und Autos. Der Captain hingegen ein passionierter Trainspotter, im Herzen immer noch Punk, aber mit intensiver Neigung zu Pop & Psychedelia.

"Phantasmagoria" mit seiner Opulenz, der dunklen Poesie, der Vampirgraf-Grandeur, dem majestätischen Bombast und dem Über-Melodrama ist natürlich Daves Album. Wie auch bei der epischen Single "Eloise" und dem Nachfolge-Album "Anything" (1987) war der Captain nicht anwesend; ich weiß nicht, warum "Anything" immer ein bißchen stiefmütterlich behandelt wird, aber eigentlich betrachte ich "Phantasmagoria" und "Anything" ohnehin als eine einzige Platte: "Anything" befand sich in den Räumen der Frau, die Aljoschas nächtlichen Visionen den Fluchtweg zur Milchstraße abschnitt, und handelt natürlich von ihr.

Dave Vanian und Captain Sensible sind auch ewig Unterschätzte: beim Captain, der erst für "Machine Gun Etiquette" von 4 auf 6 Saiten umstieg, verhindert wohl sein Image als schrulliger Possenreißer seine Entdeckung als superber Gitarrist; welch großartiger Sänger Dave Vanian ist, propagierte ich schon: -> hier 

"Visconti took a lot of time to concentrate on the lead vocals. He really liked Dave's voice, which was nice as he's worked with the best and he just kept saying 'phenomenal, phenomenal' as Dave sang. But I have to say, as a singer myself, Dave is annoyingly good. I'm there watching him and I say to myself, 'how does he fucking do it?'" - Captain Sensible 

Annoyingly good auch mit den Phantom Chords:





 
"The Doomsday Clock stands at two and a half minutes to midnight now I think; that's something to really demonstrate against, not that sexist pillock in the White House, arsehole that he is. Sexist tweets are not going to destroy the planet but nuclear missiles and climate change bloody will." - Captain Sensible
 











Ah, der Sinn für Dramaturgie: zu "Mars" aus "The Planets" von Gustav Holst betreten The Damned die Bühne, "Wait For The Blackout" der perfekte blast off. Dave Vanian mit seinen schwarzen Handschuhen am Retro-Birdcage-Mikrofon, chic von unten in Absinthgrün angestrahlt, trinkt zwischen den Songs gern ein Schlückchen Rotwein trotz "I never drink... wine." Nach "Plan 9 Channel 7" mit "Standing On The Edge Of Tomorrow" ("written by my esteemed friend", Mister Vanian)









der erste von zwei neuen Songs, vor "Anti-Pope" feixt der Captain, sie seien damit auch in Milano durchgekommen, aber falls Katholiken anwesend sind, mögen die jetzt bitte für einen Drink an die Bar gehen, damit schießt ein MACHINE GUN ETIQUETTE-Bombardement durch die Stratosphäre, ab jetzt bleibt kein Auge mehr trocken, ich wußte nicht, zu welchem SECOND TIME AROUND!-Gegröl ich fähig bin & zu welchem Song keyboard demon Monty Oxymoron seinen Veitstanz aufführt, weiß ich gar nicht mehr. Vor "Eloise" wird der Zwillingsbrüder Paul und Barry Ryan gedacht, Mister Vanian erzählt, daß Paul Ryan unsterblich in eine Stripperin aus Soho verliebt war und diesen Killersong für sie schrieb. Das veredelt "Eloise" natürlich nur noch mehr, und wenn Dave Vanian das so erzählt, will ich es glauben. (Edit: laut Rat Scabies wußten The Damned das von Barry Ryan persönlich.) Auf unnachahmliche Art prüft Vanian die Steampunk-Elemente der Fabrik, "Dr Jekyll & Mr Hyde" widmet er einem "brilliant German actor", nämlich Udo Kier. Den "Ignite"-Chorus des Hamburger Publikums bedenkt der Captain mit einem "fucking brilliant!", und er rühmt das Catering und überhaupt die Versorgung, die der Band durch die Fabrik-Crew zuteil wurde. In England bietet man einer hart arbeitenden Band backstage offenbar nicht mal einen Keks an. Überhaupt: "This is a nice club to play. Not like that shithole in Berlin." Ho, ho. Ho. "History Of The World (Part 1)", seinerzeit tatsächlich von Hans Zimmer mitproduziert, der beschrieben wird, als... quite a character. Ist wohl aufgetreten wie einer dieser Hollywood-Regisseure, die noch mit Peitschen an ihre Reitstiefel schlugen. "Street Of Dreams", erste Zugabe, scheint so unendlich erhaben, mit "Under The Floor Again" beschert die zweite Zugabe noch einen meiner allerliebsten Damned-Songs, "Smash It Up" hat aus nur halb nachvollziehbaren Gründen eine spontane Scat-Gesangs-Einlage durch Captain & Dave.

Nah beim Mikroständer liegt das Plektron, das der Captain benutzt hat an diesem Abend, und ein zuvorkommender Stage Man, den ich darauf anspreche, hebt es für mich auf. Später am Abend, ich habe das Tourplakat von der Fabrikwand gezogen, erscheint der Captain am Tourbus, wo noch ein Häuflein Geduldiger herumlungert, er signiert freihändig mein "Evil Spirits"-Booklet und das Ticket der Missus, ich behaupte, praktisch mein Leben lang auf diesen Moment gewartet zu haben, und er, very British: "Have you?!" Am Ende fühlt man einfach: f***, die beste aller Bands, I Don't Care.













Wait For The Blackout
Plan 9 Channel 7
Standing On The Edge Of Tomorrow
Anti-Pope
Love Song
Machine Gun Etiquette
I Just Can't Be Happy Today
Devil In Disguise
New Rose
Eloise
Dr Jekyll & Mr Hyde
Ignite
History Of The World (Part 1)
Neat Neat Neat

Street Of Dreams
So Messed Up

Under The Floor Again
Smash It Up
















Sonntag, 27. Mai 2018

Passage






Grabmal ohne Inschrift
Eingang ohne Tür
Licht ohne Quelle
Weg ohne Wiederkehr
Kompaß ohne Norden
Zeit ohne Stunden
Echo ohne Ruf
Weiter ohne Grund
Gegangen ohne Abschied
Drei Nächte ohne Mond
Steine ohne Alter
Klang ohne Schall
Elemente ohne Namen
Wissen ohne Nutzen
Kreaturen ohne Augen
Knochen ohne Haut
Sprache ohne Worte
Intelligenz ohne Gehirn
Sinne ohne Sinn
Chor ohne Stimmen
Universum ohne Anfang
Raum ohne Krümmung
Särge ohne Mumien
Monstren ohne Mutationen
Träume ohne Träumer
Energie ohne Masse
Buddha ohne Lächeln
Formel ohne Einstein
Zweifel ohne Gott
Teufel ohne Zweifel
Schlangen ohne Grube
Halle ohne Hall
Statue ohne Schöpfer
Augen ohne Blick
Bewegung ohne Warnung
Alle ohne einen
Verloren ohne Verlust
Kuß ohne Lippen
Entzücken ohne Ende
Grabmal ohne Inschrift