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Montag, 9. Januar 2023

Poem For A Mediaeval Baebe





Auch wir sind in Räumen freigelegter Zeit
Wie weiße Spinnen, die in Einsamkeit sich weben
Träumend, wie im Garten vor lang verschwundenen Monden
Ein Wispern war im Rauschen dieser Blätter
Wartend, daß noch einmal unser Weben so erzittert

Rubinrot auf den Lippen und sie sagte: komm
Und der Wind, der ihre Haare wehen ließ
War kalt und nicht von dieser Welt
Und sie verging, als wäre sie ein Stich ins Licht
Und seither all die Tode, die uns trennen

























Samstag, 11. April 2020

Zu dumm zum Buchstabieren





Hinter allen Türen, die ich aufstieß, lagen Geisterzimmer
Ich legte meine Beichte ab für eine Tonbandstimme
Höllenhunde heulen, die nächste Unterschrift ist blutig
Bitte gib mir Obdach, morgen bin ich mutig

Ich spalte mir den Schädel, ich weiß nicht, wann ist es passiert
Die unverfälschte Kraft des Herzens zum Schauspiel deklassiert
Jeder Augenblick geraubt für immer, ein Stein im dunklen Meer
Der Zug fährt immer schneller und hält an keinem Bahnhof mehr

Die schwärzesten Verführungen konnten sie nicht schrecken
Das letzte ihrer Wunder war, die Wunder zu verstecken
Sie ritt maskiert aus ihrer Fluchtburg, endlich war sie frei
Ich sah ihr nach und alle Wahrheit war vorbei

Ich dachte, es ist Zeit, die Heiligtümer zu vernichten
Für irgendeine Art von Auferstehung meinen Genius hinzurichten
Zwischen Erinnern und Vergessen schien alles gutzugehen
Von der Auferstehung abgesehen

Ich warf mich auf den Karren, der zur Guillotine rollt
Aber nicht einmal der Henkersknecht hat mich gewollt
Mit den Streichhölzern des Teufels ging ich im Sternenstaub spazieren
Um mein Königreich mit Flammen zu verzieren

Und das Mädchen stand im Lichthof zwischen hingestreckten Elfen
Und sie rief verzweifelt ihre Schwestern: "Helft mir helfen!
Grau und kälter rollt die Nacht, und er wirft Schönheit in die Schlucht!"
Und man kann sagen, daß ich warf mit voller Wucht

Ich bat sie um den nächsten Engtanz in meinem Folterkabinett
Ich hätte kaum ein Morgen und Schattendiebe beim Bankett
Ein Bett, in dem ich träume, Zündstoff für die Wunderdinge
Ein verborgener Gott, den ich zu Paradieskunst zwinge

Wir gingen Hand in Hand zur Märchenoper Ewigkeit
Romane und Mysterien der Gnade unter ihrem Kleid
Ich glaubte diesem Schicksal jedes Wort, was gab es zu verlieren
Das Schicksal ist zu dumm zu Buchstabieren

Blutend fällt der Mond vom Himmel, einmal war sie mein
Finsternis am Kreuzweg und ich bin ganz allein 
Zuviel Sturm im Auge, um das Auge meines Sturms zu sehen
Ich weiß, die Welt ist angehalten, sich zu drehen

Dein Angeklagter sein, oder in der Unterwelt verschwinden
Durch den Grabgesang muß ich nach Hause finden
Schnür' dich in Engelsturz-Korsett, rück' nicht in weite Ferne
Bleib' in diesem Traum, in dem ich Buchstabieren lerne































Montag, 22. Oktober 2018

ES





Psychodramaverlorenes Mädchen
zum unzeitgemäßen Nachmittag
beschattet von der großen Blume
aus Metall.
Ein Neugeborenes, um Gnade flehend,
ein anderes Baby winkt der toten Mutter.
Lebensspenderin mit
Totenschädel.
Da sind die Körper, vom Körpersein verzerrt,
da sind die Farben, die wühlen Leiber auf.
Und da schweben Wunden.
Selbstseher, seht selbst:
sie sind irr, die Pilgerbrüder.
Da ist ein Sitzender, mit wehendem Haar:
er fährt auf die Erde nieder.
Haut
über dem Rückgrat zusammengenäht.
Ausbruch wilder Wahrheit.
Alles was ich wollte war
daß sie sich umarmen
die Mutter und die Tochter
meine Wunden fanden mich.

















[Schiele-Ausstellung 1996]










 

Samstag, 25. Juli 2015

Saints Go Marching








Unvorhergesehene Affairen ließen mich
meine Mantras verjubeln:
Der grimmige Prediger, der die Violinenklänge
dieser Unschuldslämmer unterbricht – rums.
Der Notenständer ist ramponiert. Nur ein Bettler,
der sein Revier verteidigt.
Sie stoßen sich mit Lanzen von den Barken, im kleinen Hafen dort.
Eine kurze Romanze mit Ellen Thesleff – war es
1894 oder 1895?
Das Lächeln der totenbleichen Frau, die beim Gaunerhotel steht,
sie atmet Mondlicht aus.
Orson Welles befiehlt: "Dolchstoß aus Papier!"
doch mein Arm erstarrt im Gestus der Verkündigung.
Babylon bei Nacht. Blau und gold das Sternbild.
Die Schuldkapelle brennt.
Ein Gott bricht zusammen.
Die Wände reden Maria.
Höllenfeuer, Höllenfeuer
aber laß sie mich geleiten
Deine Seele jungvermählt mit Welt
Hopp! In die Reihe!
Wir folgen dem Begräbnismarsch mit Pauken und Posaunen.













       Ellen Thesleff, Self Portait













 

Samstag, 31. Mai 2014

Pfirsichsonnensatellit






Du schöner Stein
wer immer dich ansieht
den machst du zur Medusa
Nur einmal wagte ich mich umzudrehen
und dein seltsamer Blick unter totenbleichen Lampen
gab mir Teufelswissen
er bewies
Ich war der beste Quasimodo im Salon
Davon kaufe ich mir Notre-Dame
Ich würde schwarze Messen zelebrieren
damit du einmal mit der Wimper zuckst

Du schönes Rätsel
wer immer dich löst
den machst du zur Sphinx
Ich träumte, deine Augen sahen nicht in eine andere Ferne
Aber mein Sehnsuchtslied
konnte dich nicht rühren
das beweist
Ich war Minnesänger in den alten Zeiten
Davon kaufe ich mir Orpheus
Ich würde das Geheimnis seines Saitenspiels erkunden
um in deine Unterwelt hinabzusteigen

Du schöne Königin
wer immer dich berührt
dessen Hände werden zu Gold
Ich bin der Pfirsichsonnensatellit
Spielball deiner Raumzeit
Rotverschieber deines Traumkleids
das beweist
Zwei Wahrheiten = Kein Widerspruch
Davon kaufe ich mir Galileos Fernrohr
Ich würde in die Tiefen deiner Schönheit schauen
um zu erkennen: und sie bewegt sich doch
























Samstag, 15. März 2014

Stern von Emily






Sei ganz ruhig, mein Kleines
Such dir einen Stern aus
Da werden wir bald wohnen, du und ich
Und Mama
Die Vögel singen nicht mehr
Wie kalt es wird
Knöpf deinen Mantel zu
Du hast die Mama doch sehr lieb, nicht wahr?
Ich hab sie auch sehr lieb
Und der Mann da
Wollte sie uns wegnehmen
Ich habe ihn getauft
Mit seinem eigenen Blut
Weil er Mama wehgetan hat
Sehr sehr wehgetan
Das Leben war so leicht
Als ich mit dem Schiff zurückkam
Sie stand auf der Pier
Als wäre sie aus irgendeinem
Irgendeinem Königreich des Lichts
Verlaß mich nicht, mein William, sagte sie
Ich habe jetzt dein Kind in mir
Hörst du, wie die Hunde bellen?
Der Captain läßt nach Ratcliff suchen
Du mußt nicht mehr weinen
Siebenhundert Elfen leben hier im Wald
Sie nehmen deine Tränen
Und verwandeln sie zu Perlen
Sieh mich an
Siehst du, jetzt lächelst du
Gott im Himmel
Paß bloß vor den Kerlen auf
Wenn du ein großes Mädchen bist
So? Und wer ist Jimmy?
Wie man zwischen Regentropfen durchgeht?
Das hat er dir gezeigt?
Schau her, mein Engel
Mama muß mir dieses Blut vergeben
Sonst finde ich den Stern nicht
Verstehst du, was ich sage, kleine Feder
Was getan ist, ist getan
Eines Tages wirst du verstehen
Warum das alles so ist
Wie er heißt, der Stern?
Stern von Emily, das ist sein Name
Lauf nach Hause jetzt
Mama macht dein Bett
Papa wird euch finden
Ganz bestimmt