Freitag, 27. Dezember 2019

Farewell 2019




























Kutna Hora 13.08.2019
clic to enlarge













 28.11.2019 Molotow






















Hansa Studios Berlin














Überwältigend schön und vollkommen niederschmetternd. Vergleichbar vielleicht mit Bowies "Blackstar": weiter kann Kunst kaum gehen. Ein YouTube-Kommentar, stellvertretend: "Well, Goddamn. You haven't made an album. You've made a religious experience."

Stellvertretend nicht unbedingt dafür, daß jeder "Ghosteen" als "religiöse Erfahrung" empfindet, beileibe nicht, wohl aber dafür, wie tief dieses Werk Menschen berührt. Dadurch, wie es den Schmerz fühlbar macht, wie es versucht, mit der Pein umzugehen. "Ghosteen" steht am Rande dessen, was Menschen artikulieren können.

Momente ernsthaftester Einfachheit. "They are parting the cities, those bright burning horses", all die Bilder einer persönlichen Apokalypse, und dann: "And I'm by your side and I'm holding your hand." Die sphärischen Klänge analoger Synthesizer erinnern an Enos Ambient-Serie der späten Siebziger. Cave bewegt sich in Regionen, die ähnlich weit entfernt von allem sind wie die Isolation des späten Scott Walker, aber "Ghosteen" ist seine Suche nach dem Weg zurück, und er ist dabei umgeben von "spirit guides" (Elizabeth Aubrey im NME). Die sind überall auf "Ghosteen", umschweben den Trauernden wie Traumfragmente. Trauer, schier endloses Leid, völlige Desorientiertheit, und dann, Momente ernsthaftester Einfachheit: mein Baby kommt nach Hause mit dem 17 Uhr 30-Zug. Liebe, sich festhalten, um des lieben Lebens willen.

"A star is just the memory of a star."

Was für ein Privileg, so ein Werk hören zu dürfen.













"I've seen things you people wouldn't believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser gate. All those moments will be lost in time... like tears in rain... Time to die." - Batty / Blade Runner








"Das Bild, das wir erzeugt haben, wird das Begleitbild meines Sterbens sein."








"I'm very much down to earth. Just not this earth." 








Scott Walker verließ diese Welt offenbar an meinem Geburtstag, am 22. März.














The world is perfect. Appreciate the details.









 

















Dienstag, 22. Oktober 2019

Vorwitz & Verstrickung (4): Dämmerung






Murmel murmel
Wir sind die verbannte Armee
Gefallene Engel der Finsternis
Unter eklig blühenden Wiesen
Und wir kommen noch auf euch zurück,
Ignorantes Pack!
























 

Freitag, 11. Oktober 2019

Die Frau in Weiss













SPIEGEL ONLINE Forum

"Literatur - Was lohnt es noch, zu lesen?"

August 2006 





V.G.E.:
Wilkie Collins, irgendjemand???





Und ich schäme mich dessen nicht! "Die Frau in Weiß" überfiel mich, als ich 15 war, seitdem beneide ich, neben Pferdeknechten an australischen Mädchenpensionaten um 1900 (aber das ist jetzt "Picknick am Valentinstag"), englische Zeichenlehrer. Damals schien mir die Gestalt des Conte Fosco extrem unheimlich – trotz beleibter Präsenz völlige Ungreifbarkeit, genial, dunkel, böse, brillant. In einer Verfilmung von 1948 wird Fosco von Sydney Greenstreet gespielt, Marian Halcombe von Alexis Smith und Laura Fairlie / Anne Catherick von Eleanor Parker – wird dem komplexen Buch natürlich nicht gerecht, ist als Film jedoch sehr spannend und sehr schön besetzt, Curt Bois erscheint als der arme Louis, special Blitzableiter für das exzentrische Leiden Frederick Fairlies, der sein zerrüttetes Nervenkostüm rhetorisch ziseliert zur Schau stellt. Gerade dieser Film löst das seltsame Dreiecksverhältnis zwischen Walter, Marian und Laura überraschend auf - indem er es eben nicht auflöst, und die Schlußszene erinnere ich, gerade wegen ihrer lächelnden Harmonie, als durchaus gewagt. Ein Buch, das ich immer lieben werde, genau wie Stokers "Dracula", das ja ähnlicher Erzähltechnik frönt. Kommen wir jetzt zu Charles Dickens?
"Ich hatte die Fähigkeit, mich zu wundern, offenbar verloren. In der Welt des Stoffes gab es nichts das Erstaunen wertes, außer Dora Spenlow."




















 

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Literaturnobelpreis













Nachdem der Literaturnobelpreis 2016 völlig verdient an Bob Dylan ging, sollte man jetzt ganz dringend Nick Cave ins Spiel bringen.

Meine drei Exzerpte aus "Das Gewicht der Welt" (Handke):

Die vorsichtig schönen Lebensformen der alten Literatur wiederfinden, fürs Leben

Ab jetzt alles, was ich tue, rechtfertigen mit dem Satz: "Was wollen Sie, es ist Krieg!"

Aus dem Kino kommen – und draußen gehen überall die Falschen

Meinen Lieblingssatz von Handke sagt Bruno Ganz am Ende von "Der Himmel über Berlin": "Das Bild, das wir erzeugt haben, wird das Begleitbild meines Sterbens sein."





















Montag, 22. Juli 2019

... über Astrologie und Musik...












"Wir haben die Nächte durch geredet, haben gequatscht über das Neue Testament und Politik, über Astrologie und Musik [...]" - Blixa Bargeld, Nachruf auf Rio Reiser 1996




Auf abseitige Gedanken kommen eben: angenommen, es gibt einen Zusammenhang zwischen jenem Bezirk, in dem sich David Bowie 1977 mit "Low" aufhielt, dem Weg eines Scott Walker, von seinem Status als Idol schreiender Mädchen über die zunehmend literarischen, immer mehr kulturelle Referenzen verarbeitenden und immer mehr frühe Fans verstörenden "Scott 1" bis "Scott 4"-Werke zu den einsamen Regionen von "Tilt" und "The Drift", in denen es fucking scary ist wie nirgendwo sonst; der divenhaften Eleganz, mit der Blixa Bargeld durch unerhörteste Destruktion schritt: könnte man z.B. schon auf die Idee kommen, daß saturnische Ernsthaftigkeit den Steinbock(-Musiker) von rätselhafter Unnahbarkeit dazu bringt, auf bestimmte Weise zu Extremen zu gelangen, die anderen so nicht eigen ist; ein Operieren da, wo sonst niemand mehr operiert.

Ob es also irgendwas gibt am Gitarrespiel von Jimmy Page, das "Steinbock"-typisch beschreibbar wäre, ob, sagen wir, das seltsame Verhältnis zur Zeit, das man dem Steinbock nachsagt (Chronos / Saturn), im Klang von Led Zeppelin tatsächlich zu hören ist, oder ob es nur mein subjektiver Eindruck ist, daß der Gitarrist dieser Band eine Art Merlin ist, der sich rückwärts in der Zeit bewegt. Komischerweise klingt Robert Plant ja nur mit Jimmy Page zusammen so, als hätte er persönlich mit Guinevere gesprochen.