Montag, 24. Januar 2011

Jacqueline vielleicht

 
 
 
 
Durch Flavy-le-Martel
donnert der Fünfuhrzug
Vom Bäcker kommt
Jacqueline vielleicht

Jacqueline ist 11 und kann den Regen sehen, bevor er fällt
Du weißt jetzt, daß dir niemand glaubt, wenn du die Wahrheit sagst
Dein Vater unterm Citroën, seine Werkstatt, seine Welt
Deine Mutter blättert in Journalen aus Paris, wenn du sie fragst

Und der Nagellack läuft aus
Geh schön spielen, Kind
Mama, weißt du was?
Tu, was man dir sagt, Jacqueline

Jacqueline ist 11 und Gott hat sich die Augen ausgerissen
Madame Laclos die Lehrerin nennt es eine Phase, die vergeht
Am Kirschbaum hängt ein Seil, die Krähen wissen
Es ist Onkel Paul, der sanft im Wind der Picardie sich dreht

Jacqueline steht auf dem Feld
Sie hat aufgehört zu spielen
Bunte Reihen von Quadraten
tropfen aus den Linien

Septembervögel sind der Menschen müde, alles ist ein anderes jetzt
Die Geister kommen aus dem Abgrund bei der Mauer
Ein Eichhörnchen verblutet, eine Puppe ist zerfetzt
Scharlachrote Schatten liegen auf der Lauer

Jacqueline ist 11 und glaubt
sie ist den Streit nicht wert
Der Bruder, der nie kommen wollte
hält stumm den schwarzen Luftballon

Jacqueline mit Blumen aus dem Garten einer Anstalt
steht auf dem Feld, vergißt den Weg zurück
Paul ist tot seit dreißig Jahren, grau und kalt
erwidert er des Mädchens blauen Blick

Jacqueline verblaßt
im Wind der Picardie
Ich sah ihr weißes Kleid
vom Zug aus um fünf Uhr.




 
 
 









3 Kommentare:

  1. Anonym1.2.26

    Es ist schade, daß Ihr Blog meine Posts manchmal verschluckt, aber vielleicht finden Sie diesen hier am Morgen.
    Wir haben zum Vollmond Mother of Flies, ein neues wunderschön photographiertes Werk der Adams Family, gesehen.
    Die Aufnahmen erinnerten mich sehr an die Wälder meiner Heimat. Ich habe es hier für Sie im Gestrüpp versteckt.

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    1. Ach, hier wird noch vieles verschluckt, bekanntlich läuft der Umzug in den umgekippten Altkleidercontainer. Danke für den Film, very weird shit, aber ja, wunderschön photographiert. Sehr erstaunlich, was diese Familie tut.

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    2. Anonym6.2.26

      Wenn Sie bei diesem Film bereits gezögert haben, dann ist auch Where the Devil Roams vermutlich nicht die richtige Abendunterhaltung für Sie. ;)
      Seitdem traue ich dem Satz „Thank you for having us to dinner“ nicht mehr ganz.
      Es ist mir zudem nicht vergönnt, eine Behausung (und sei es auch nur ein Container) ohne die ausdrückliche Bitte ihres Hausherrn zu betreten;
      geweihter Boden bleibt mir aus naheliegenden Gründen verschlossen.

      Während der Tage, die Ihr Weihnachten nennt, folgten wir einer Einladung nach Blankenese bei Hamburg.
      Inmitten eines chinesischen Mahles trat eine Frau zu mir - als wäre sie dem Dunst der Speisen selbst entstiegen - und überreichte mir ein Gedicht:
      sorgsam zusammengerollt, mit einer Schleife verschlossen. Es sei eigens für mich bestimmt, sagte sie. Ein besonderes Geschenk.
      Bis heute jedoch habe ich das Siegel nicht gebrochen. Zu leicht tragen Worte den Keim eines Fluches in sich... und nicht jedes Geschenk verlangt danach,
      geöffnet zu werden.

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