Sonntag, 1. Dezember 2013

Adventskalender 2013 (1)
















"Was für ein Geraffel." – sagt Lou zu Andy in "Little Britain". Und WAS für ein Geraffel! Als Ausruf am Ende dieses sich neigenden Jahres scheint es perfekt zu passen.

Und damit eröffne ich unseren Adventskalender 2013, der – as usual – gefüllt wird mit einem höchst subjektiven Rückblick und sich daraus ergebendem Aus- und Einblick in eine höchst eigensinnige, vielleicht manchmal sogar lutherische Auswahl aus Musik, Literatur und Wissenschaft. Und selbst fabriziertem Küchendesaster. Gibt es eigentlich eine Mehrzahl von Desaster? Desasters? Bin nicht gewillt, eine Suchmaschine zu bemühen. :)

This is Cured Catherine directly from the Puppenstube und ich folge Ihrer freundlichen Einladung, Monsieur, in diesem Jahr den Adventsreigen zu eröffnen.

Die Vorweihnacht beginnt heuer mit dem ersten Advent, was auch hier nach einem grandiosen Auftakt verlangt. Damen und Herren, Monsieur:

Tür 1

Die vollkommen unerwartete, unglaubliche Live-Premiere eines fast 20 Jahre alten Songs, des wundervollen, unerreichten "Burn". Der Filmmusik zu "The Crow", der Film, den sogar die Goths selbst zu goth fanden, sich aber nie trauten, dies zuzugeben.

The Cure am 3. November in New Orleans.


















Welcome, welcome! Fein, daß wir nach technisch-lutherischem Geraffel gleichsam die Tür wieder eingehängt haben für unsere 95 Thesen. Meine Professoren sagten gern "gleichsam". Ich mochte das Wort, aber es ist gleichsam ein Dodo. Der Plural von Desaster ist Desaster, man vermutet wohl, daß die eh immer in Schwärmen kommen. Indeed, was für ein Auftakt, Babe! Über "Burn" kann man ohnehin nur in Schwärmen kommen, "The Crow" sehe ich jedes Jahr in der Teufelsnacht... ritualistische Capricorn-, äh, -riten. Zu goth für die Goths? Doch nicht aufgrund der sinistren Dinge, die sich auf Top Dollars Tisch räkeln, nein? Brandon Lee in dem Film zu sehen, geht schon unter die Haut. Auch sein letztes Interview, das ja auf der DVD ist, als er Paul Bowles zitiert - How many more times will you watch the full moon rise, all das.

Ich wußte nicht, daß The Cure "Burn" noch nie live gespielt hatten, es in New Orleans hervorzuzaubern, ist natürlich goldrichtig. Shadows purr, murmuring me away from you. Damn. Bob Dylan schwört ja, die Südstaaten seien bevölkert mit "rambling ghosts and disturbed spirits", zum jährlichen Küchendesastereinblicksauftakt ein Zitat aus Dylans "Chronicles": 

"The first thing you notice about New Orleans are the burying grounds - the cemeteries (...) Going by, you try to be as quiet as possible, better let them sleep (...) The past doesn't pass away so quickly here. You could be dead for a long time. The ghosts race towards the light, you can almost hear the heavy breathing - spirits, all determined to get somewhere." 

Spirit Empire. Geister scheinen auch zu atmen in der Musik auf "Black Pudding", Platten des Jahres Teil 1.







Und directly in die Puppenstube lasse ich es hinterm 1. Türchen noch ein wenig donnern. :)























Thank you, Babe! Ihr Auftakt aber ebenso! Mark Die Stimme Lanegan UND Mozart - unübertrefflich!

Ritualistische Capricornriten! I know these. :)

Nein, weniger die sich räkelnden Sinistren, als die um sich schießenden. Dennoch ein wichtiger Film, for sure.

Ah, interessant, diese ghosts in New Orleans. Dachte bis gestern, Bob wählte diesen Ort, weil es einer der letzten (oder sogar der letzte) Auftritt des Jahres war, aber wenn man den Namen des Festivals - Voodoo - noch dazu nimmt, wird es überdeutlich, dass er sich mehr dachte.

Black Pudding! Ein guter Name und der Song ein ebensolcher! Muss zugeben, dass ich dieses Jahr wohl etwa drei Platten kaufte, jedenfalls erinnere ich mich nicht an mehr, und zwei davon waren nicht für mich. Immer noch eine Platte des Jahres, wenn auch nicht diesen, ist die letzte der Ärzte. Und da wir dieses Jahr so düster starten, stecke ich Ihnen Herrn Gonzales in die Tür Nr. 2:

Die Ärzte - Das finde ich gut






Hach, die Zauberflöte. Dieser Marionetten-Papageno begrüßt die Besucher des Marionettenmuseums zu Salzburg. Dabei fällt mir ein, dass ich mich während des "Golems" gefragt habe, warum die Freimaurer so von Osiris besessen waren? Mozart und wohl auch Schikaneder logierten ja durchaus. Wollte übrigens schon als Kind Querflöte lernen, weil der letzte Abschnitt der Zauberflöte so wundervoll ist. So göttlich. Dazu hier ein Zitat aus "Amadeus", eine meiner Lieblingsszenen ist die, wo Salieri genau dies berichtet:

"Die Partitur sah nach nichts aus. Der Anfang, so simpel, fast lächerlich. Nur ein Pulsieren, Fagotte, Bassetthörner - wie eine rostige Quetschkommode. Doch da, plötzlich, hoch darüber, eine einsame Oboe, ein einzelner Ton, unerschütterlich über allem, bis eine Klarinette ihn aufnimmt, in einer Phrase von solch himmlischer Süße! Das war keine Komposition eines Zirkusaffen! So eine Musik hatte ich noch nie vernommen. Voll tiefster Sehnsucht; einer so unstillbaren Sehnsucht, dass ich erbebte und es mir schien, als hörte ich die Stimme Gottes."





















Eine Platte dieses Jahres ist ganz unbedingt eine Platte jeden Jahres, darum ist eine Platte des letzten Jahres auch eine Platte dieses Jahres. Ohne jeden Zweifel! Äh, - haben Sie das auch? Daß Sie bestimmte Wendungen nur noch als Filmzitat im Kopf haben? Wenn ich "Ohne jeden Zweifel!" denke, höre ich "Ohne jeden Zweifel!" im Tonfall von Professor Abronsius, "Tanz der Vampire", kurz nachdem sie ihn aufgetaut haben. Der Ärztehades! Amazing! Zwar bleibt "Wie es geht" mein ewiger Ä-Favorit, aber Herr Gonzales ist der meistunterschätzte Ä. Ich besitze die "Dinge von denen"-Maxi, weil "Das sind Dinge, von denen ich gar nichts wissen will" ein Vorläufer ist von "Bitte nich." 

Oooh, die Quetschkommode, thank you so much! Ich hatte den "Amadeus"-Soundtrack einen Tag, nachdem ich den Film im Kino gesehen hatte, noch als Platte, und auch da ist es fast unmöglich, den Beginn dieses Wunderwerks zu hören ohne an Salieris Worte zu denken.
Und die Marionettenkönigin der Nacht schaute mich vor zwei Jahren durch die Hintertür an, remember? :)

Osiris? Wissen, Wollen, Wagen und Schweigen. :) Weiß nicht, ob Schikaneders Libretto den Logenbrüdern zusagte, aber der mysteriöse Tod und die mysteriöse Wiedergeburt des dunklen Gottes, magisch zusammengefügt durch Isis, Symbol für Neuschöpfung des Selbst, Wandel zum Höheren, magische Belebung zu greater unity, Erneuerung, Verschmelzung - just thinking. "Isis" could easily be my favourite Dylan song.




 

Es bleibt nocturnal im 2. Türchen. Brüder des Schattens - Söhne des Lichts. Im selben Jahr wie "Amadeus" sah ich Herzogs "Nosferatu - Phantom der Nacht" zum ersten Mal. Daß ich dann, years later, zur Burg Pernštejn reisen würde, das Schloß von Nosferatu / Dracula / Kinski im Film - who would have thought. Such a long way. Der zweite Teil dieses wundersamen Stücks von Popol Vuh begleitet den Aufbruch von Harker / Bruno Ganz nach Transsylvanien - such a long way.





















Schon wieder Technik-Geraffel. Werde morgen Tech-Nick befragen. :)
Oh, sure, "I married Isis on the 5th day of May." I remember. :) Die Wundersame selbst ist Isabelle Adjani, nein? Wundersam und wunderschön.
Ich kaufte damals nicht den OST, aber "Rock me Amadeus" von Falco. Darauf gibt es einen Salieri-Mix. Den erspare ich Ihnen aber.

Ja, ich kenne diesen Zitate-Zwang. Erst kürzlich unterhielt Mademoiselle mich wiederholt mit einem recht albernen Youtube-Video, welches mit "Entschuldigen Sie, ham Sie Cevapcici?" beginnt. Nur wenig später beim Einkaufen in der Obstabteilung fragte ein Käufer einen vorbeihastenden Verkäufer ebendieses, auch im gleichen Tonfall. Nur das Cevapcici vervollständigte mein Autopilot-Hirn. Ich lachte noch an der Kasse. Das Video erspare ich Ihnen hier ebenfalls, es ist allzu albern.
Schreiten wir voran, das dritte Türchen bleibt mystisch, aber doch etwas leichter, denn wir haben noch eine arbeitsreiche Woche vor uns. Mademoiselle entdeckte dieses Jahr viel Neues und so auch ihre Neigung zu mittelalterlichem Markttreiben. So begaben wir uns im Oktober auf einen solchen und ich konnte dem gefeierten Hauptakt weniger abgewinnen als diesen fröhlichen Holländern hier. Männer mit Bärten. Der erste gleich gründete einen schottischen Clan, er selbst ist das einzige Mitglied.

Tür 3



















Isabelle Adjani, oui. Och aye the noo! soll die in Schottland überhaupt nicht benutzte schottische Phrase sein, die "Oh yes, just now!" bedeutet. Dezidierte Erkundung mittelalterlichen Markttreibens nunmehr Mademoisellepassion? Gotta be. Bevor das Treiben expandierte, hatten wir einen dieser Märkte direkt vor der Haustür, besuchten den auch, belauschten Dialoge wie "Ich bin Arwen, und wer bist du?" - "Ich bin auch Arwen!", und trafen Hobbit-Kollektive am Geldautomaten. Einen anmutlosen Green Man nahm ich mit Betrübnuss zur Kenntnuss, aber von solchen Phänomenen muß man sich freimachen. Zweitausendeins in den Colonnaden macht auch dicht, am Sonnabend erwarb ich dort noch "The Wicker Man", den von 1973 of course, zum Spottpreis, empfehle ich unbedingt bei auch nur leisester Faszination an paganism. Spielt auf fiktiver schottischer Insel. Christopher Lee nannte ihn den faszinierendsten Film, in dem er je gespielt habe.

Holländer, die gleich einen schottischen Clan gründen, ja, sehr schön! Meine Faszination für Canterbury Tales im schicken Outfit / Breakfast at Chaucer's in Gestalt der Mediaeval Baebes ventilierten wir ja schon, und die Sache mit meiner für ein paar Silbermünzen und eine Blasphemie in Moloneys Bar verkauften Seele ist Ihnen ja auch bekannt, aber Rapalje kannte ich noch nicht, merci!!

Dann in Türchen 3 Nick Drake für Sie. Nick Drake wurde nur 26. Sein stilles, trauriges Weggehen, seine Unrettbarkeit, die Schönheit seiner Songs, all still so touching. Brad Pitt hat mal für die BBC eine Gedenksendung für Nick Drake moderiert.






Was ich lange nicht wußte, Gabrielle Drake, in die ich mal schrecklich verliebt war, ist Nick Drakes Schwester.







Lt. Ellis in dieser Serie hier, die Frau, die weiß, wie man die Verfolgungssysteme der B142 aktiviert. "Ich hoffe, es ist Ihnen klar." Nein, Manni, Ralle und Dödel ist es nicht klar. "Beurteilen Sie eine Situation nie am Ende einer Konversation." Hä? Duh.





















Auch schon das 4. Türchen für Sie, wir bleiben kosmisch. Und stärken uns zunächst. Marrrß. Ja, Marrrß. Marrrß ersetzt verlorene Energie. Ja, Marrrß ersetzt verlorene Energie. Mit Traubenzucker in der Kändykrehm und im Butterkaramel ist sahnige Milch. Die erhöht die Ausdauer. Dann kann man nicht nur von Halb Acht bis Halb Elf an einem einzigen Brett sägen, sondern auch noch um Halb Zwölf und wahrscheinlich sogar nach Mitternacht.




Noch einen Schub Rauschcola, da hat sich doch Dave Wyndorf eingeschlichen,







und darum folgen Sie mir jetzt unauffällig aber bedingungslos in megalomanischen Sleaze, Enormballade vom Herrscher des Matmos, Prinzessinnen 1 - 2 wissen natürlich um den Mann auf dem Beifahrersitz. When I don't get my bath I take it out on the slaves. Is doch so.





















Dachte zwar an es, aber ich erkenne Twiggy ja nie, wenn es nicht sein grünes Kleid und diese dicke Brille trägt und Manson irgendwo in der Nähe rumhängt. Von Mademoiselle genügte ein Augenblick und sie konnte anhand der Frisur auch das Jahr nennen, aus dem das Video stammen muss. Unbelievable. Der alte Mann erinnert mich an den Großvater von Charlie. Oder ist er es etwa? Die Schokoladenfabrik dürfen wir am Nikolaustag ja mal wieder besuchen.

Rauschcola – ist ja so unglaublich! Und wie das Mars angepriesen wird. Als wär es Brot. Hehe.. :) Nochmal zurück zu Herrn Gonzales. Nein, unterschätzen sollte man ihn nicht, er ist eben das ruhige Drittel der Ärzte, aber dafür auch das tiefere. "Bitte nich" und "Dinge von denen" als Repräsentanten der Ablehnung der Überinformation und Überkandideltheit der Postpostpostmoderne? Absolutely yes. I'm with you.

Nick Drake ist mir bisher entgangen. Sehr berührend. Kann Ihnen da auch jemanden vorstellen, der mir kürzlich zeigte, dass Ian Curtis und auch Nick Drake zwar zu früh verstorben sind, aber Jungs wie diese doch immer mal wieder des Weges kommen.

Tür 4 - SIVU






Da ich morgen vermutlich nicht eine ruhige Sekunde haben werde, denn Mr. Molko is coming to town, stecke ich ihn mal direkt in Türchen 5.



















Placebo! It will be brilliant! Um ein Haar hätten wir uns dort zur einstweiligen Geraffelberatung versammeln können, aber die Herren Cave und Lanegan und die Herren Queens of the Stone Age rissen im November ein Loch ins Budget, so verzichteten wir schwerbeherzt. Erlebten sie aber 2003 und 2009 coming to ebendort. Beide Prinzessinnen anwesend, sah ich gerade. Fein. SIVU wirkt wie ein nervöser junger Mann mit völlig seltsamem Inkognito-Job, der irgendwann die Lads stehenließ, um sich unwiderruflich in Herbst zu tauchen.

Robert Smith hat Nick Drake mal als einen seiner touchstones bezeichnet. In der Doku "A Skin Too Few" erzählt Gabrielle, wie Nick einmal zu seiner Mutter sagte: könnte ich nur fühlen, daß meine Musik auch nur einem einzigen Menschen da draußen geholfen hätte... das wäre alles wert gewesen. Breaks your heart. Es waren so viele. Robert war einer von ihnen.

Sure, Jahresbestimmung via Frisur geht ruckzuck. :) Twiggy hat gerade ein eigenes Studio eröffnet, was wie ein bedeutender Schritt über die mit Manson garantierten Freizeitvergnügen hinaus erscheint, das Studio heißt The Realm Creative, auf fb gibt es Bilder, eine Oase für den Menschen, den bestimmte Formen von Tapete kränken, wirklich überaus geschmackvoll eingerichtet.

Türchen 5 - eine weitere der Platten des Jahres ist natürlich "... Like Clockwork", eine von zweien, deren Ausgangspunkt ein dunkler Abgrund war (die andere ist "Specter At The Feast", Black Rebel Motorcycle Club). "The Vampyre Of Time And Memory" war der erste Song, den Josh für das Album schreiben konnte, und er haßte ihn. "I was like, 'Who wants to hear this?' And Brody [seine Frau] was like, 'Who fucking cares?' And I was like, 'Oh yeah, that's right.' - Daß Act Two neuer Verletzlichkeit in einem Video wie diesem bestehen kann, um so besser.








Die endlos einfliegenden schwarzen Vögel bei "A Song For The Dead" raubten mir schon in der Berliner Zitadelle einen wichtigen Teil meines Gehirns, again now, aber das bekommt kein Filmer bei einem QOTSA-Konzert in sein yt-Filmchen gebannt, nirgends nicht. Darum, und weil Sie nach Placebo sowieso nichts beeindrucken kann :), verwandele ich mich vor Ihren Augen in einen Psychotschechen und Psycho-, äh, -moravier. Verstehen tu' ich auch nichts, aber das ist ja das Gute am Psychosein; es macht nichts.


















Placebo waren fein. Hatte ja einige Befürchtungen, dass die Halle nur halb voll sein würde bei den vielen ausgefallenen Zügen. Unnötig. Da wir sehr kurzentschlossen dort waren, saßen wir leider am falschen Ende der Halle im Block der alten Säcke und das meine ich nicht am Alter gemessen. Naja, aber die Show war schön, Stimmung am Ende brillant. Brian sehr gut gelaunt. Er ist ja einfach niedlich. "Running Up That Hill" war mein Highlight des Abends. So eine schöne, langsame Version des Klassikers. Ich habe irgendwo eine Interview-CD, auf der Robert Smith sich den Song wünscht. Always liked that. Robert sprach sogar von heartbreaking sad Nick Drake?! Hm. Umso dankbarer, dass Sie ihn mir vorstellten!

Einstweilige Geraffelberatung wäre natürlich prima gewesen. Denke jedoch, dass sich die gesamte Gemeinde inklusive Band ganz mayamäßig einfach auflösen wird, wenn es tatsächlich jemals vorkommen sollte, dass wir vier uns gleichzeitig in einem Konzertsaal befinden. Bei so hohem Bandsaufkommen mussten Sie natürlich Prioritäten setzen, das verstehe ich. Zu den Queens äußere ich mich noch. Muss dringend ein ernstes Wort mit dem Zeitdealer austauschen, sobald ich ihn erwische.

Ahh, endlich weihnachtet es auch hier, tschechisch sogar. Sehr fein.
Für Sie heute im Adventskalender ein feines Interview.
Tür 6
















"The biggest comeback in British television"! Will meinen! Arrggh, danke, wir sind dann wohl wieder im Frühjahr beglückte Pilze? Hmja, Moffats "There is a clue everyone has missed" noch im Ohr. Unendlich gespannt. Und whoa, Lars Mikkelsen. War gut in The Killing. The Killing war überhaupt phantastisch. Hieß in Deutschland "Kommissarin Lund", weil hier alles schon im Titel verdrögt werden muß. Alte Säcke Anfang 30 machen all diese Titel, I swear. Vor ein paar Jahren war ich kurz davor, mir ein Copyright auf "Ein(e) [Insert irgendeinen Scheiß hier] zum Verlieben" zu sichern.

Placebo ist eine dieser Bands, die einfach nicht less than brilliant sein können, obwohl sie mir mit Steve Hewitt am Schlagzeug als unit noch näher waren. Oh, "Running Up That Hill" spielten sie? Love it too. Ganz mayamäßige Auflösung von allem im Zeichen der Vier? Well, vermutlich. Und wenn die Capricornladies anfingen, sich mit ihren Schießeisen-unterm-Kissen-Bemerkungen auszutauschen, würden wir schön blöd aus der Wäsche schauen. :)

Nun raten Sie, wer dieses Jahr beim tschechischen "Rock for People"-Festival neben den Queens of the Stone Age auftrat? Genau. ER. Und ER taufte das Festival denn auch von der Bühne aus in "Gott for People" um. Seinen Standardsatz "Dieses Mal hatte ich wirklich nicht damit gerechnet", wenn er wieder seinen Preis als beliebtester tschechischer Sänger eingeheimst hat, wandelte er um in "Wenn ich etwas wirklich nicht erwartet habe, dann solch einen Empfang." Versteht sich, daß er das Haus auf den Kopf stellte. Ach, diese Tschechen. Hier nun sehen wir ihn in Türchen 6 als Teil einer Botschaft für streunende Mädchen.







Und aus dem Nikolausstiefelchen klettert noch der erste Claus on Celluloid.

















Tür 7 - Mann des Jahres natürlich Bowie. Hatte Tränen in den Augen ungelogen, als in der Nacht seines Geburtstags plötzlich "Where Are We Now?" das www durchrüttelte.







Altfranzösisches Weihnachtslied des Jahres: im Arrangement leisen, nächtlichen, mysteriösen Schneefalls.



















"Ein Geraffel zum Verlieben." Hehe.. Habe nun neue Hardware beim Weihnachtsmann bestellt. Was zu viel ist, ist zu viel. Und dazu so ein Hausmädchen mit gestärkter Schürze und Häubchen. Könnte ich wirklich gut gebrauchen. Früher brachte Claus auch das Bäumchen direkt mit, nicht!? Wie überaus praktisch.

Mademoiselle meinte auf dem Weg zur O², es würde ihr äußerst gut in den werten Kram passen, wenn Brian heute Herrn Bowie mitbringen könnte, man sei schließlich befreundet. Außerdem begegne sie endlich jemandem, der Mr. Manson persönlich kennt. Sfz. Capricornladies. I tell you. Blöd aus der Wäsche again and again. Bowie als Mann des Jahres angenommen. "Heroes" aber auch genial. Die Szenen mit dem Bowie Konzert aus Christiane F. damals! Hach.

Sie wurden dieses Jahr wohl endgültig zum Psycho-Tschechen? Was "solch ein Empfang" bei den Tschechen wohl heißt? Vermutlich Tränen in den Augen zu haben vor Rührung, Karel Gott zu treffen!

Für Sie heute zum zweiten Advent und in Türchen 8 auch etwas Tschechisches. Schon nach ein paar Sekündchen wird Ihnen ein schönes, bekanntes Gesicht auffallen.




















Ah, you!! Wird mir gleich ums Herz so doof. Noch mehr, da sich schon in Sekunde 1 Burg Pernštejn als Schauplatz offenbart. Als Libuse S erschien, mußte ich erstmal anhalten und mir das für die Nacht aufsparen. Gorgeous as eva, děkuji! Neue Hardware gleich? Donnerplunder. Und Hausmädchen kommen neuerdings mit bei Bestellungen? Good thing too. Der Lordsiegelverkleber nähme dann eine Sugar Plum Fairy.






Mal eben so Bowie mitbringen, ja. Unter ähnlichen Vorschlägen zur Weltverbesserung wird man mich begraben finden. Mit dieser Mischung aus Dezenz und Gnadenlosigkeit schreiten die durch jedes Geraffel.

Das Psychotschechentum, und auch Psychoslowakentum, wird aufgrund der Sprachbarriere immer ein solches bleiben, muß aber mittlerweile bekennen, daß Prag und Bratislava ein seltsames Gefühl von Zuhausesein geben. Es ist ein Außenseiterblick, but that's only natural, hat man hier auch. Als wir zur Burg Karlštejn fuhren, befanden sich im Zug viele Schüler zwischen 7 und 17 in Begleitung von Großeltern. Wunderbar zu sehen, wie die sich füreinander interessierten, kein Gemuffel, kein Smartphone oder iPod in Sicht, stattdessen angeregter Austausch, zärtlicher Umgang, liebevoller Respekt. You just notice this. Was wir aber verstanden, oder zu verstehen meinten, war, als eine charmant-resolute Dame ihrem Enkel die richtige Aussprache eines Ortsnamens beizubringen suchte, die ihm zunächst nicht so recht gelang, und sie dann sowas sagte wie: Nuschel nicht wie ein Slowak. :) 

Türchen 8 - unfaßbar, wieviel Schnee, Mondlicht, heiße Schokolade, leuchtende Christbaumkugeln und Kindheit in Guaraldis Peanuts-Musik stecken, so here comes some.






















Mittwoch, 27. November 2013

Capucine




























SPIEGEL ONLINE Forum "Lieblingsfilme - was ist großes Kino?"

Februar 2007



schnuppe:
Ich glaube, das ist das Ursprungsmilieu von Fellinis Filmen. Der Vaudeville. Obwohl La Strada vielleicht noch anders ist als die späteren Fellini-Filme. Irgendwie mehr noch italienischer wie hieß das noch gleich? Neorealismus? Ich glaube ja. Eine richtige Erzählung von Anfang bis Ende.

Ich glaube, dass Fellini sich von den Clowns, dem Zirkus ableitet. So ein kreativer, verrückter Reigen, aus dem spontane Situationen entstehen, die visuell einfach hyperbeeindruckend sind. Hauptsache bunt, verrückt, schräg. Das Spiel und die Illusion sind ganz oft Thema, der Traum vs. Realität (die aber auch nur Schaum). Und sein Witz ist unglaublich anarchisch.

Wenn ich überlege, habe ich eigentlich eine ganze Menge gesehen, obwohl ich zugegebenermaßen nicht alle Filme in Gänze sehen konnte, da eben oft ein roter Faden verloren geht. Ich glaube nicht, dass Fellini den unbedingt selber hat. Er hat Ideen und aus einer Idee wird die nächste geboren - er hat ein Thema aber er legt keinen Wert auf stringente Erzählung. Fellini gucken ist wie sich in ein Karussell setzen und man wird darin herumgedreht, man weiss natürlich nicht wo es lang geht aber dass man nirgendwo ankommt ahnt man schon. Es wird einem schwindelig und durchaus auch mal schlecht, aber das Karussell dreht sich weiter...

Ich kenne außer La Strada noch Ginger und Fred, Amarcord, Casanova (nur eine Stunde lang geguckt), La Dolce Vita, Stadt der Frauen (die ersten 5 Minuten sind die allerbesten, vor allem die Frau hat auf Deutsch auch eine ultracoole Synchronstimme...)

Egal wie irre Fellini auch sein mag, er hat Bilder geschaffen, die einen nicht mehr loslassen, einfach, weil sie geheimnisvoll sind. Was besseres kann doch über einen Filmregisseur gar nicht gesagt werden...










... obwohl ich zugegebenermaßen nicht alle Filme in Gänze sehen konnte... 

Verrückt, geht mir genauso bei Fellini. Man verliert jegliches Zeitgefühl, jeder Film scheint endlos, "Casanova" muß 8 Stunden lang gewesen sein, zeitweise kollabiert man einfach, rezeptorische Tiefschlafphase zwischen den wildesten Träumen. Ich nehme an, Sie haben "Casanova" bis zum Schluß gesehen, Sie wissen es nur nicht. :)

Jagen Sie unbedingt auch nach "Satyricon". Auch da fallen Sie einem hypnotischen Sog zum Opfer, spätere Fragen nach dem plot des Films beantworten Sie mit "Ähm... ja", und das zweitunglaublichste Gesicht der Filmgeschichte (nach Barbara Steele) wird Sie nicht mehr loslassen, Capucine als Tryphaena. Aber hab ich ihn bis zum Schluß gesehen? Hm.