Donnerstag, 31. März 2016

Vorweihnacht mit Cured Catherine (24): Zuckerwaren-Fachgeschäft















Im Josef Holzermayr Zuckerwaren-Fachgeschäft am Alten Markt in Salzburg begann ein älterer Herr die eben eingetroffenen Weihnachtswaren zu betrachten, als die Verkäuferin fragte, ob man ihm behilflich sein könnte, und er antwortete in höflichster Manier: Ach danke nein, die Augen funktionieren noch gut! Ich habe wohl etwas laut gelacht über die feine Ironie in seiner Stimme und er sah mich an, erkannte mein Verstehen und geriet ins Reden, wie es nur ein Österreicher kann: charmant, klug und kaum verständlich. Unter anderem zeigte er auf einen Adventskalender, der eine klassische Weihnachtsszene zeigt und sagte: Mei, ist der liab. Genau wie früher, vor 100 Jahren. Er kenne so alten Weihnachtsschmuck, den man bei seiner Mutter nach ihrem Ableben fand und dann geriet er ins Fluchen über die Moderne, wie hässlich sie sei. Er fragte: Wie lange muß man studiert haben, um so hässliche Häuser bauen zu können, wie man es heut tut? Er habe einen Freund, der zur Eröffnung einer architektonischen Glas-und-Stahl-Schrecklichkeit geladen wurde und dort angekommen sich umsah und schließlich fragte: Wann soll dies alles fertig werden? Der Architekt antwortete beißend: Es IST bereits fertig und ES IST SCHÖN! Der Freund seelenruhig: Ach so, das wusste ich nicht. Der fremde Herr im Zuckerwarengeschäft amüsierte sich über diese so unterschwellig hervorgebrachte feine Kritik und sei sicher, dass der Mensch ein angeborenes Schönheits- und Wohlgefallensempfinden habe und wir sollten es doch auch benutzen. Eine der Begegnungen in Salzburg, von denen man nie weiß, ob sie nicht jemand geplant hat.

Ich war also auch beim Trakl, es war sehr beeindruckend. Ich mag ihn mehr als Baudelaire, von dem er beeinflußt war. In der ganzen Stadt gibt es Tafeln mit seinen Gedichten, die jeweils mit dem Ort zu tun haben. Es wirkt fast verschämt und trotzig, wie sie dort hängen. Verschämt, weil sich doch all die Japaner und Franzosen, die wegen der Mozartkugeln gekommen sind, nicht einen Deut um die Lyrik eines Salzburger Jünglings scheren, Lyrik, über die Wittgenstein sagte: Ich verstehe sie nicht, aber ihr Klang lässt mich träumen. Trotzig, weil es eben doch eine so besondere Stadt ist, dass solche Tafeln nur folgerichtig ihrer allerliebst verfallenen Schönheit Worte geben und bei näherem Betrachten auch Trakl folgerichtig hier gelebt und gelitten hat und hin und wieder doch ein paar Krähen kommen, um in seinen Spuren herumzuwandeln. Wir waren die einzigen, die in der Gedenkstätte klingelten und es öffneten die zwei Menschen, die sich seit Jahrzehnten für den Trakl einsetzen. In der ersten Salzburger Wohnung der Familie, in der Georg Trakl geboren wurde, umrahmt von Möbeln und Gegenständen der Familie und Briefen, Fotos und des grünrotschwarzen Selbstporträts Trakls zeigte man einen 40minütigen Film, der äußerst feinfühlig Trakls Leben, Schaffen, Gedanken, Träume und Abgründe zeigte. Seine Briefe, die auch im Film zitiert werden, erklären naturgemäß viel, was ohne sie nie ans Licht gekommen wäre. Zeitgleich lese ich Simone de Beauvoirs Briefe an Nelson Algren und sie sind auch so beeindruckend, weil sie so ehrlich sind im Gegensatz zu ihren Memoiren, in denen sie so vieles nicht sagt oder den Briefen an Sartre, in denen endlos taktiert und politisiert wird. In solchen äußerst privaten Briefen sind die Menschen mehr sie selbst, wahrer noch, wahrhaftiger als in jeder anderen Begegnungsform.

Was war noch? Ach ja, im berühmten Tomaselli Café irritierten wir die sehr hübsche, ältere Frau Lydia mit der Frage, ob sie Peter Alexander auch schon dort bedient habe und sie war verwirrt und glaubte nicht, aber sicher sei sie auch nicht. Ihre Verwirrung mutete äußerst komisch an im Rahmen dieser feierlich-ernsten Kaffeehauskulisse. Kopfschüttelnd nahm sie ihr Tortentablett und zog von dannen. Am Mondsee war eine Stimmung wie in einer Traumdarstellung. Nebel hing in den Bergen, der See war düster und grau und von tiefer, unwirklicher Schönheit, Touristen gab es dort keine mehr außer uns und diese Einsamkeit war besonders erholsam. Am Chiemsee dagegen Kaiserwetter am Königsschloss und Schnee auf den Gipfeln. Es war schwer, zurückzukommen, aber hier sind wir.











Aus dem Tomaselli stand Trakl einmal auf, um den Huren in der Judengasse Faschingskrapfen zu bringen. As you surely know, wenn zB der Herr Otto Basil Sie begleitete. Es war wohl die perfekte Zeit für einen Weg auf Trakls Spuren, wie ja auch Ihre wundervollen Photos belegen, nahe an der Trakl-Jahreszeit, die es nicht gibt, die immer zwischen allen anderen Jahreszeiten liegt, schwarzer Schnee rinnt von den Dächern, Ahorn rauscht im alten Park, schwarzes Gondelschiffchen schaukelt durch verfallene Stadt. Der phantastische fremde Herr im Zuckerwaren-Fachgeschäft wiederum, der den alten Weihnachtsschmuck vor dem Vergessen rettet, ist wie Joseph Roth. Ihr schöner, atmosphärischer Bericht bestätigt mir, der ich zeitweise am liebsten in "Der dritte Mann", also dem Film, wohnen würde, daß man einfach in den Kaffeehäusern der k.u.k. Monarchie hätte hängenbleiben sollen.

Man fragt sich ja oft, wie man eigentlich hierhergekommen ist, wo niemand mehr "Habe die Ehre" sagt. Daß es einen angeborenen Schönheitssinn gibt, behauptete ja auch Shaftesbury, über den ich mein Magisterpamphlet schrieb. Und auch daromm, wie es sey, daß alle, Goethe und Schiller, Kant und Winckelmann und Lessing, von Shaftesbury geklaut haben. Goethe zB stahl vom Third Earl den Begriff der "inward form" - die innere Form. Die verlor ich restlos beim Konzert von Peter Murphy. Das ist aber auch nicht verwunderlich, wenn diese Legende, dieser Mythos, dieser Singuläre, der zu Beginn des Konzerts aufgrund einer Erkältung etwas gereizt schien, nach circa 13 Songs vor uns stehenbleibt, seine Hand ausstreckt und "Hello!" zu IHR sagt. Er nimmt also ihre Hand und sagt: "You're very attentive, thank you, it encourages us, me especially, when somebody's looking so... so inspired", und sagt ihr letztlich, in dieser halben Minute, von der verdammten Bühne aus, was ich ihr seit Äonen zu sagen versuche. Warum ist das Leben nicht einfach langweilig? Irgend jemand hat seine Hand fest im zerzausten Haar der Wahrheit – and twists her around. Würden Sie in unserer Kartei nachschauen, Watson?

Zwei Folgen sah ich bisher, Scandal in Bohemia und The Dancing Men. Bezeichnend, daß die Kokain-Szene für die Deutschen herausgeschnitten wurde. Wir könnten ja alle sofort zum nächsten Kokaindealer laufen und enthemmt brüllen: "DIE FLAGGEN SIND DAS WORTENDE, WATSON!" oder "GEBT MIR DAS ABSTRUSESTE KRYPTOGRAMM!" Jeremy Brett mit seinen Morphinistenmundwinkeln ist so beunruhigend definitiv und so definitiv beunruhigend, daß man ihn eigentlich nur mit exakt diesem Watson begleiten kann. Sie hatten Recht und ich werde Ihnen ewig dankbar sein, case closed.

Marisha Pessls Vater ist auch Österreicher. Bin auf Seite 200 etwa. Erstmal bin ich abgeglitten an dem Buch, das mir zu perfekt schien und dabei zu leerlaufend. Zu auf amerikanische Art mit leicht verschrobener Smartheit prunkend. Zu clever kalkuliert und zu von sich überzeugt darin, daß auch der siebzehnte Zusatz zum mehr oder weniger aufregenden Detail noch unwahrscheinlich geistreich wirkt. Ungefähr an dem Punkt, wo Hannah Schneider dezidiert ins Spiel kommt, hatte ich mich wohl daran gewöhnt, jedenfalls seitdem offen für Bewunderung und Genuß an der virtuosen Sprache, den Vergleichen, den Metaphern, den Kleinigkeiten, vor allem vielleicht den Kleinigkeiten. Schließlich gibt es auch noch andere mir bekannte Bücher, deren erste 50 Seiten man erstmal überleben muß. (Insert Ha Bloody Ha here).

Anbei der Mann mit dem goldenen Licht in der Stimme.

Greetings from Serpentine Avenue

















Montag, 28. März 2016

Lydia Lunch













Die Pythia war eine Orakelpriesterin in der Tempelanlage des Apollon in Delphi. Sie verkündete ihre Prophezeiungen in Trance, altered states of consciousness, bei denen sich ihre Stimme veränderte. Sie saß im Adyton auf einem Dreifuß über einer Erdspalte, aus der Dämpfe aufstiegen; man vermutet, daß diese vapours für ihren veränderten Bewußtseinszustand verantwortlich waren. Die "besessene" Orakelpriesterin, die in ihrer Erregung Apollon "empfängt", war eine Frau, die wie ein Mädchen gekleidet war, als "Braut" Apollons.




























Freitag, 25. März 2016

Marcin Witt: Blackstar











[clic on pic to enlarge]







"Blackstar"

Marcin Witt

2016

Auftragsarbeit








Der Auftrag stammte von meinen lieben friends and colleagues, das Gemälde war ihr Geschenk zu meinem Geburtstag. Daß der Tod von David Bowie mir schwer zusetzte, konnte ich nicht gut verbergen, und daß Marcin Witt diese schöne Idee so phantastisch umgesetzt hat, daß ich zum stolzen Besitzer dieses Gemäldes werden durfte, hat mir viel bedeutet.

















Dienstag, 15. Dezember 2015

Adventskalender 2015 (3)













Wenn Robert Smith nicht Brite, sondern Amerikaner wäre, würde er vermutlich am Black Rebel Motorcycle Club teilnehmen. Die Gitarren, man, die Gitarren. Sprachen vor zwei bis drei Jahren schon an dieser Stelle über jene, da sie auch Filmmusik gaben in einem Twilight-Saga-Teilchen. "Pretty in Pink", well, ein 80er Streifchen eben mit Aschenputtel Story. Aber, damn, ich mochte den, man konnte Andy nur großartig finden, allein schon die Anfangsszene, in der sie diese Schublade aufzieht und den passenden Schmuck raussucht zu ihrem Outfit. Hah. Und Duckie und die Plattenladenfrau und der Türsteher. Also, wenn einem mal sehr nach den 80ern ist, dann bitte gern, aber auch das Niveau innerlich anpassen. :)

Ah, Peanuts Tanzerei ist natürlich das bessere Hoppel Gepoppel. Ehepaar Fern ist so unfassbar steif und kantig, konnte nicht wegschauen. Lief in diesem Jahr auf einem der Angebersender, 3Sat, glaub ich. Ja, Fiktion, gewiß. Da gab es auch noch mehr. So richtig durchsetzen konnten sich aber weder "Letkiss" noch "Bro Bro".

Ah, wunderschön, Frau Svetlana. Dann wird es auch Zeit für den männlichen Gegenpart in Perfektion.
 






 
Rather unterhaltsam? Vernichtend. :) Die Herbertstraße in Gent mit Humor? Würde in Deutschland auch schon wieder schwierig, könnte sich ja jemand beschweren. But. Quirky and cool, I would say. Hoffe, irgendwann noch mehr zu sehen vom Walking around Gent?


Halten wir uns in Nr. 17 doch noch ein wenig in den Straßen von London auf.
 



















Hatte ja vor, mir bis Neujahr auch so einen viktorianischen Backenbart à la Lestrade anzuschaffen, hänge aber hinterher. Deutlich. :) Da sieht jemand außerordentlich phantastisch aus mit Brautkleid, Schleier, smeared lipstick und zwei Pistolen in der Hand. Mindestens eine davon richtet die Braut dann ja offenbar auf sich selbst. "The big challenge was the role of women", sagt Gatiss, die Rolle der Frau im viktorianischen Zeitalter... so, probably a martyr? Bin endlos gespannt.

Streets of London nicht mehr denkbar ohne JB. Sollte ich nochmal Londoner Boden betreten, dann mit "221B Baker Street" von Patrick Gowers im Ohr. In Dauerschleife abwechselnd mit Arnold / Price. Walking around Gent hopefully soon. Construction Time Again, -> Travelogue entsteht, alles jetzt unter Antirat-Kuppel, restauriere und überführe noch the recent years. :) -

Ahhh, Nurejew. The Missus and I have actually seen him. 100 DM. "Lieder eines fahrenden Gesellen", Gustav Mahler, Choreographie Béjart, und "Apollon Musagète", Choreographie Balanchine. Apollon, Führer der Musen. Klassizistisch kühles Werk von Strawinsky, im kühlen CCH, kühler Lufthauch all the way. Nurejew wie ein Löwe, der müde ist von all den Kämpfen und am Ende doch noch einmal siegt. Tänzerisch natürlich keine Wunder mehr, alles völlig egal, Charisma geradezu unwirklich. 

Tür 18: Man hörte das Krächzen der darbenden Raben, rieb sich die Wangen und ging über bläulich schimmernden Schnee, bis man zu den Buden kam, remember. Ein Jahrmarkt im russischen Winter. Die Marionette, die unbezwinglich werden will, beseelt von der Liebe zur Ballerina. Nijinskys liebste Rolle. Auch für Nurejew war Petrouchka something special.
 






 
Das ganze "Petrouchka"-Ballett, dazu "Spectre de la Rose" und "Nachmittag eines Fauns", alles mit Nurejew, fänden Sie -> hier, so mal Zeit ist. Nun aber noch mehr Musik, die ich unerklärlicherweise ganz streng mit Winter assoziiere, obwohl "Barry Lyndon" gar nicht winterlich und beides eine klassische Ideenverbindung nach John Locke ist. Kann man nichts machen, wie jemand in den Kommentaren schreibt: "Händel ist der Chef." :)




















Someone talked about two brides. We'll see. Soon. :)

100 DM? Und dann im schrecklichen CCH. Seltsam, aber kann mir den kühlen Luftzug genau vorstellen dort. So wie auch die Raben (oder Krähen?) über verschneiten Feldern. Knorrige, schwarze Äste unter weißgrauem Himmel. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Raben und Krähen? Ravens just rock!






Händels Sarabande - just beautiful. Gab mir heute einen Moment tiefer Entspannung in all dem Herumgetue. Danke sehr dafür! Habe immer schon geglaubt, dass mir Händel noch einmal wichtiger werden könnte und müsste. Und ja, Winterstimmung darin ist. Im nächsten Stückchen Sie finden werden auch Winter. Love this scene so much. And this part of the Requiem.





Heute schlägt man sich ja mit anderen Dingen herum. Beobachte manchmal Paketboten beim Prokrastinieren vor Haustüren, an denen sie gar nicht geklingelt haben.  :)






Müssen uns auch noch von Günter Grass verabschieden. Er gab uns die Blechtrommel, Katz und Maus, den Butt. Später mochte ich ihn nicht, verstand ihn nicht mehr, schien mir zu querulieren ums Verrecken, interessierte mich nicht so sehr. Aber nun hinterließ er ein Kleinod und er und ich fanden uns wieder im Land der Wahrhaftigkeit. Und Sie finden in Tür 19 einen Auszug:

OHNMACHT

Ohnmacht, ein altbackenes Wort: In Zeiten, als muntermachende Riechfläschchen gepuderten Damen unter Nasen gehalten wurden, auf daß sie wieder zu sich kamen, war es gesellschaftsfähig. Als mundgerechte Ausrede wurde sie nützlich, sobald Taten ausblieben, die gegen die eine, die andere Macht vonnöten gewesen wären. Nun aber plustert sie sich zu allumfassendem Ausmaß. Während Pleiten mit Rettungsschirmen gedeckelt werden oder in faulen Banken zu überwintern hoffen und alle Welt sich glauben macht, es gehe - wenn nicht sogleich, dann demnächst - wieder auf-, sogar vorwärts, und während sich jeweils Namhafte, als sei Zeit überschüssig, von Kongreß zu Kongreß vertagen, sind wir aus freien Willen allzeit bereit, uns vernetzen zu lassen, demnächst total. Rund um die Uhr erreichbar. Nirgendwo außer acht sein. Per Mausklick erfaßt. Rückläufig bis hin zum Babypuder verdatet. Nichts geht verloren. Alltägliche Gänge in Billigläden, ins Kino, aufs Klo sind unvergänglich. Auch unserer Liebe langatmigen Weg speichert ein Chip von Fingernagelgröße. Kein Versteck mehr. Immer im Blickfeld. Sogar der Schlaf behütet. Nie mehr allein. Was tun? Ohnmächtig enthalte ich mich, entsage dem Angebot. Zwar liegt kein Handy zwischen Brille, Tabak und Pfeife, niemand darf mich mit Fingerzeig lehren zu surfen, zu googeln, zu twittern. Kein Facebook zählt meine Freunde und Feinde. Heimlich vergnüge ich mich mit dem Gänsekiel. Halblaut allenfalls Selbstgespräche, in denen es um Kuhfladen, Flaschenteufel und um den Fortschrittsbegriff der Ameisen geht; und doch hat auch mich eine Gewalt am Wickel, die mal so, mal so heißt und dennoch namenlos ist. Kein Geräusch haftet ihr vorwarnend an. Sie speist sich aus überqualifizierter Dummheit. Einst religiös verbrämte Allgegenwärtigkeit kommt nun nüchtern daher und will als Ausweis ziviler Gesellschaft gelten. Nein! Durchsichtig macht sie, entlastet das Gedächtnis. Sie nimmt Verantwortung ab. Tilgt Zweifel. Täuscht Freiheit vor. Entmündigt erleben wir uns zappelnd im Netz.


VIELGELIEBTE LIBUSE

Sei nicht so streng mit Dir,
als säßest Du als Einschluß
im Bernstein gefangen.
Seitdem Du nicht mehr bist,
bin ich Deiner Spur hinterdrein,
nur lesbar mit Hilfe verlorener Wörter.

Kürzlich habe ich das Schloß gesucht,
und im Böhmischen gefunden.
Du hattest ihm fleißige Restaurateure
schriftlich verordnet, auf dass sie
dessen Fassade allseits
zu erneuern begannen.

Sie wurden schon damals nicht fertig,
sind heute noch tätig,
werden es morgen noch sein.
Weil immer was bröckelt, sich Risse bilden
und Schimmel blüht, welkt die geschönte Haut,
auf der Wetterseite zuerst.

Das tröstet mich, die Mühsal,
denn auch ich habe Dich
allseits vergeblich geliebt.

















Ah! Dachte, der Unterschied zwischen Raben und Krähen ist der, daß Raben mit Vincent Price kommunizieren können. :)







Schlaue Gesellen, Krähen. Sehe sie manchmal zusammenarbeiten, wenn sie einen roten trash bin kontrollieren. Eine sitzt oben und befördert auf die Erde, was sie mit dem Schnabel zu fassen kriegt, eine sitzt unten und prüft die Ausbeute. Dann diskutieren sie das. Ein Malerfreund von mir, den ich fast täglich treffe, versorgt sie mit Erdnüssen. Überhaupt ein netter Mensch, mit dem ich en passant Pläne zur Weltverbesserung erörtere, Arbeitstitel "Die freundlichen Diktatoren".

Oh hell, die "Amadeus"-Szene. Eine der großen Ungerechtigkeiten, die freundliche Diktatoren beheben würden: sie hätten beide einen Oscar bekommen müssen, auch Tom Hulce. Bei 5:50 fährt die Kutsche durch das Leopoldstor auf dem Prager Vysehrad, damn.

"Tuesday innit!" :) Klasse. Prokrastinierende Postboten sehe ich eher selten, frage mich nur immer, warum die Post Filialen mit sechs Schaltern baut, wo doch immer nur maximal zwei Schalter besetzt sind. Naja. Ich darf mal Anni, 5, zitieren: "Irgendwie gibt es immer weniger Yetis."

Dankeschön für some Grass. Professor Jelzow kannte ihn persönlich. Einmal standen wir im Korridor und sprachen darüber, daß es eigentlich keinen Nachfolger für Böll als moralisches Gewissen der Republik gegeben hat, und ob nicht Grass? "Da hat der gar keine Lust zu" sagte Jelzow. Bisher war mein Leben zu kurz, um viel von Grass zu lesen, sah jedoch viel über ihn und war früh beeindruckt davon, auf welch spezielle Weise er seine Kunst ernst nahm. Was ich meine, findet sich wieder in "Heimlich vergnüge ich mich mit dem Gänsekiel." Möchte auch immer, don't know why I don't, zu meiner Schreibfeder zurück. In die sind Elbenrunen eingraviert. Prokrastiniere wenigstens Smartphonebesitz ins Unendliche. Ein schöner Text, ja.

Da wären wir also schon bei Tür 20, nächstes Jahr geht es ja Through The Looking Glass, hier eine andere Alice. Wolf Alice wird Smashing Pumpkins-chemistry zugeschrieben, well, jedenfalls eine junge Band, wie es irgendwie schon länger keine junge Band mehr gab.













Dann lege ich nochmal diesen Film ans Herz, nicht nur wegen der Formulierung "Ich, König Christian der Siebte, erkläre hiermit den Krieg gegen die Scheiße." Mads Mikkelsen am Ende buchstäblich atemberaubend. Bei unseren vielen Besuchen in Dänemark war die Geschichte oft präsent, bis hin zu einem Ballett namens Caroline Mathilde, das wir in Kopenhagen sahen. Christian pflegte intensive Beziehungen zu einer Dame, die Stiefeletten-Katrin genannt wurde, Caroline Mathilde und Struensee begegneten sich zum ersten Mal im Ahrensburger Schloß. On Tuesday innit auf arte.
 







Und dann protestieren wir nochmal gegen 13 Grad Celsius.
 

















Freundliche Diktatoren! Finde das einen höchst willkommenen und notwendigen Plan! Bitte führen Sie auch das Unterrichtsfach Freundlichkeit in den Schulen ein! Als Hauptfach. Nebenfächer Glück und Hilfsbereitschaft. Und streichen Sie Mathematik zugunsten von Logik. :) Als Sportart empfehle ich Freudentänze. In den Pausen wäre heiße Schokolade willkommen. Tbc.

Ah, Alice Part II. Gespannt bin. Bei der von Ihnen vorgestellten Alice sinnierte ich darüber, warum ich eine Abneigung gegen blonde, dünne, singende Frauen habe und schon war sie im nächsten Video dunkelhaarig. Gute Entscheidung.

Das einzige Ausland, das ich in diesem Jahr außer England für ein paar Stunden betrat, war Dänemark. Schön, dort, nette Atmosphäre, freundliche Häuschen an der Wegstrecke. Die Geschichte blieb mir allerdings verborgen. Mikkelsen sehr gern in dieser Perücke, muss mal sehen, ob es mit den morgigen Pflichten zu vereinbaren ist.

Vor einem Jahr flogen wir nach London, verrückter Plan, grandioses Konzert. Muss deshalb an dieser Stelle noch einmal dran erinnern, wie Smithy uns Weihnachtsgeschenke machte.
 







Neben all der harten Arbeit der midwives blieb auch damals schon Zeit für Cliff Richard zu schwärmen. In Tür 21 deshalb some Cliff and back to the 50s, with mistletoes, snow and some good old bad taste. :)





















"Wailing Wall" immer einer meiner favourite Cure-Songs. "The holy city breathed like a dying man" die Art von opening line, mit der man mich überallhin mitnehmen kann. Sah, daß Sie sich schon mit Cure-Tickets für nächstes Jahr eindeckten. Good deal, Coop! :) 

Abneigung gar? Oh. Aber mit Cliff Richard verlangen Sie mir auch einiges ab. :) Zur Strafe unter Umständen noch zwei blonde, dünne, singende Frauen. :) -> Paris will always win 

Die 50er-Jahre-Christmas-Fotos, alles sieht immer so nett aus, man darf aber nicht zuviele 50s-Horrorfilme gesehen haben, sonst denkt man immer Invasion of the Body Snatchers mit. Den Snowshoe-Langlauf (1:43) hätte ich allerdings gern gesehen. Diese archetypischen Spielzeugeisenbahnschienen, ah. Und diese alten Fernseher, ehrlich gesagt, ich liebe die. Habe immer noch einen Röhrenfernseher. Trenne mich erst bei grundstürzender Veränderung der Umstände, etwa Implosion. :) 

Heh, sehr schön, Freudentänze und heiße Schokolade. :) Zweifelsohne steht auch mein freundlicher Mitdiktator Ihren Vorschlägen zur Neuordnung des Bildungswesens wohlwollend gegenüber. Mathematik streichen wir zugunsten von Logik und Logik dann zugunsten von höherer Logik, wie in "Dark Shadows": 
Elizabeth Collins Stoddard: "Do you think the sexes should be equal?"
Victoria Winters: "Heavens, no. Men would become quite unmanageable."

But you're right. Freundlichkeit scheint immer mehr out of fashion, wir bieten Audrey Hepburn einen Lehrstuhl für Empathikalismus an, abgesehen davon könnte man das Nebenfach Glück kombinieren mit dem Hauptfach To find something of real value in life. Uglification ist keine der vier Grundrechenarten. :)

Ah Dear, time has almost come, bin sehr froh, daß wir es bis hierher geschafft haben. :) Es war wieder ein außerordentliches Vergnügen und ich danke Ihnen schon jetzt für das mit Abstand Vorweihnachtlichste an der Vorweihnacht. It's Clichéd To Be Cynical At Christmas. :)
 







Yes, die morgigen Pflichten noch, dann ist Zeit für Dinge.


Bach hören






Zeigen, wie der Trick geht







Kurz warten






Den Weg nicht gehen, den so viele gehen, und den neuen Sound verstehen






Eyeliner nicht vergessen






Lametta dirigieren







Den Mackie Messer tanzen






Oder einfach nur hier sitzen


















Habe von "Die Königin und der Leibarzt" leider nur die erste halbe Stunde sehen können. Fand es aber schon großartig, tolle Bilder, tolle Schauspieler, good story. Werde den Rest nachholen. Thanks very viel for the hint!

Yes, sure, Tickets für Smithy sind selbstverständlich. Kenne Menschen, die Gesamteuropa mitreisen. Mir ein Rätsel, wie man das durchhält (und warum, denn auch hier gilt: "Ab hier wiederholt es sich, nicht?"). Lebanon Hanover im März in Berlin, again. Sonst noch keine konkreten Pläne. Gestern sagte eine Mutter zur Tochter in der queue hinter mir: "Ich habe ein gutes Gefühl für 2016."  :)

Ah, Röhrenfernseher, ja, hatte meinen 20 Jahre, dann verstarb er plötzlich. Muss aber zugeben, dass mir die Moderne hier doch auch gefällt. Die Dinger können sogar Internet. :) Aber BBC und ITV auf dem TV bleibt wohl vorerst ein schöner Traum.

Hah, Victoria Winters on the point.

Thank you, too, für das mit Abstand Vorweihnachtlichste in der Vorweihnachtszeit. Schwanke zwischen Trauer und Erleichterung, jedesmal, wenn wir wieder vor dem 24. angekommen sind. And thank you so much für das Ticket zur Zeitreise nach Brügge. Freue mich schon drauf. There is something in the Pipeline for you, hoffe, es wird beizeiten da sein. Hätte es gern persönlich überreicht, aber zum Schlößchen schaffe ich es ohne Vehikel nicht mehr bis zum Fest.

In ein paar Stunden bin auch ich frei für Dinge.


Prinzen beim Prinz sein zusehen






Irgendwas mit Haushaltsgeräten machen






Um den Baum tanzen






Der freundlichen älteren Dame zuhören 



 





Freue mich auf Lametta und Eyeliner, aber vor allem auf das Sitzen, werde vielleicht sogar ein wenig die Wand anstarren. Nur wie der Trick geht, werde ich wohl nie verstehen. :)

Merry Christmas, Dear, have some joyful days, some rest, some love. Und wie immer beende ich meinen Teil des Kalenders mit dem Versprechen, dass wir uns im nächsten Jahr hier wieder treffen. ;)




















So lovely! Maximo Park sind angekommen, A Certain Trigger in my hands, a million thanks! So unendlich lieb, daß Sie Ihre Zuständigkeit so wörtlich nehmen! Listening to it will be first thing on Christmas Day, also jetzt gleich. Danke auch für die Very Traditional Chocolate Selection und das ultrabritisch anmutende Geschenkband! :) - Freut mich auch, daß Monsieur Rodenbach rechtzeitig eintraf. So unspektakulär der Roman und auch unknown, des Autors Grabstätte dürfte eigentlich jedem, der halbwegs sehenden Auges Père Lachaise besuchte, aufgefallen sein, -> see.

Die Tschechen wußten einfach, wie man sich Märchenprinzessinnen träumt. Und Prinzen, ahem, natürlich.

Die Makemakes im Fürstenzimmer von Hohensalzburg, die Glücklichen. :) Tati wunderbar, Modernismus, klirr. David Lynch ist auch Bewunderer von Tatis Choreographie. Und der sound effects. :)







Vertrauen wir der Prophezeiung der queue-Mama, because: there's such a lot of world to see.








Have a wonderful Christmas, Dear, a Happy New Year, dream up shapes of things, verabschiede mich und uns aus diesem Adventskalender slightly different this time, die End Credits aus "20.000 Days On Earth". Weil ich diese Musik so liebe. So klang es, wenn man in tiefste, sehnsüchtigste Tagträume fiel, so müßten die Hirnströme dann klingen, and he found it, that's your Warren Ellis. Love, C.